Mit Subwoofern auf der Suche nach dem perfekten Bass

Bassboxen, besser bekannt als Subwoofer, gehören zu jeder Heimkinoanlage. Erst Subwoofer lassen den Lieblings-Actionfilm im richtigen Glanz erstrahlen, denn sie sind ein elementarer Bestandteil des gesamten Klangbildes. Ohne den Subwoofer sähe wohl so ziemlich jede Heimkinoanlage ganz schön alt aus. Und so findet man sie heute in allen möglichen Preisklassen, in der Regel als Bestandteil eines Lautsprechersets. Allerdings gehören Subwoofer noch gar nicht so lange zur Grundausstattung der Heimkinos. Wer sich vielleicht noch an die HiFi-Hochzeit der Achtziger Jahre erinnert, kann sicherlich bestätigen, dass eigenständige Bassboxen damals eher selten waren. Selbst wenn man eine solchen reinen Tieftöner in die Finger bekommen hätte, wäre dieser vermutlich unbezahlbar gewesen. Als Privatperson ist ein solcher Luxus undenkbar gewesen.

Das änderte sich schlagartig in den Neunziger Jahren. Von nun an boten die großen HiFi-Hersteller immer mehr Geräte unter 1.000 Euro an und der Subwoofer wurde endlich salonfähig. Heute gibt es Subwoofer bereits für weniger als 100 Euro. Für einen ordentlichen Heimkinoklang reichen diese eher günstigen Vertreter aber kaum aus. Wobei sich das nie so pauschal sagen lässt, hat doch jeder so seine eigenen Ansprüche und Ansichten. So richtig Spaß macht ein Subwoofer aber erst, wenn er einerseits starke, aber nicht zu starke Bässe liefert, und andererseits keine Störgeräusche beziehungsweise Verzerrungen erzeugt. Das sind die beiden wichtigsten Anhaltspunkte bei der Auswahl eines Subwoofers.

Wer braucht einen Subwoofer?

Auch wenn sich diese Frage schwer pauschal beantworten lässt, kann man zumindest verschiedene Konsumentengruppen festlegen. Musikpuristen können den Subwoofer nämlich eigentlich links liegen lassen, liefern herkömmliche Stereolautsprecher normalerweise ausreichend Bass für Musik. Wer aber möchte, kann auch für die Musikwiedergabe zu einem Subwoofer greifen, was sich beispielsweise beim Hip Hop anbieten würde. Wirklich notwendig ist das aber nicht. Das ist es schon eher für Film- und Videospiel-Anhänger. Denn hier wird der Ton meist als Surroundsignal geliefert. Zwar kann man sich den Ton auch immer als Stereosignal ausgeben lassen, gerade aber Filme profitieren vom Raumklang moderner Surroundsysteme und somit auch vom Subwoofer.

Bassreflex- und geschlossene Subwoofer-Gehäuse

Das Lautsprechergehäuse, in Fachkreisen auch Chassis genannt, ist beim Subwoofer ganz besonders entscheidend für den Klang. Hier haben sich in den letzten Jahren gleich zwei verschiedene Bauarten durchgesetzt: Eines davon ist ein komplett geschlossenes Gehäuse, wie man es auch von anderen Lautsprechern kennt. Sehr häufig trifft man aber auch auf das Bassreflex-Gehäuse, welches man an der Öffnung auf der Vorder- oder Rückseite erkennt.

Bild1_Subwoofer

Diese Öffnung hat die Aufgabe, den Schall bestimmter Frequenzen zu verstärken. Das physikalische Prinzip dahinter gleicht dem eines Helmholtz-Resonators. Der Helmholtz-Resonator dürfte so ziemlich jedem ein Begriff sein. Ein besonders alltagstaugliches Beispiel ist eine herkömmliche Glasflasche mit dünnem Hals. Pustet ein Mensch in die leere Glasflasche, so erzeugt diese durch ihren Resonanzkörper einen Ton. Ändert sich das Volumen des Resonanzkörpers, ändert sich auch die Höhe des erzeugten Tons.

Bei einem Bassreflex-Gehäuse macht man sich dasselbe Prinzip zu Nutze, nur das der Schall hier im Inneren entsteht. Die von der Rückwand der Lautsprechermembran abgestrahlten Schallwellen werden im Lautsprechergehäuse (Resonanzkörper) verstärkt und können durch die Öffnung (Flaschenhals) nach außen gelangen. Natürlich muss das Bassreflex-Gehäuse genauestens an den Lautsprecher angepasst sein, dann aber erzielt es genau den gewünschten Effekt: Bestimmte Bassfrequenzen werden durch einen Resonanzkörper verstärkt und der Hörer erhält mehr Bass als bei einem herkömmlichen Chassis.

So schön sich das Prinzip des Bassreflex-Gehäuses anhört, in der Praxis klingt nicht immer alles so, wie sich das so mancher Heimkino-Fan wünscht. Gerade Subwoofer mit solchen Bassreflexgehäusen, aber auch geschlossene Subwoofer, tendieren dazu, schnell Störgeräusche zu erzeugen. Meistens handelt es sich dabei um Schallreflexionen von der Zimmerwand. Steht der Subwoofer zu dicht an der Wand, so können die Schallwellen von der Rückwand zurückgeworfen werden. Das Resultat ist ein unschönes Dröhnen. Des Weiteren kann sich das auch als unangenehmes Magengefühl beim Menschen äußern. Um das zu vermeiden, kann man entweder mit allen möglichen Schallabsorber-Techniken arbeiten oder man kauft mehr Subwoofer.

Mehr für weniger – die Double-Bass-Anordnung

Ja, tatsächlich kann man mit mehr Subwoofern, Störgeräusche und Reflexionen minimieren. Was sich auf den ersten Blick wie ein schlechter Witz liest, bringt uns dem perfekten Bass schon ein gutes Stückchen näher. Double Bass heißt so, weil doppelt so viele Lautsprecher verwendet werden. In einem Profi-Setup heißt das dann für gewöhnlich vier (um einen quaderförmigen Hörraum zu erzeugen) verschiedene Subwoofer, beziehungsweise es ist ratsam den gleichen Subwoofer in mehrfacher Ausführung zu kaufen. Denn was wie eine Maßnahme zur Leistungssteigerung aussieht, ist eigentlich nur ein zeitversetzter Betrieb von je zwei Bassboxen. Bei der Double-Bass-Anordnung werden also zwei Subwoofer vorne und zwei hinten aufgestellt. Wobei die hinteren beiden den Schall der vorderen beiden so auffangen sollen, dass keine unschönen Schallreflexionen an der Zimmerwand entstehen können.

Das hier bereits schon erwähnte Dröhnen durch Schallreflexionen entsteht durch sogenannte Raummoden. Das sind stehende Schallwellen, die durch die Double-Bass-Anordnung eliminiert werden können. Dazu müssen die hinteren Subwoofer genau dann einsetzen, wenn das Schallsignal der vorderen Subwoofer hinten angekommen ist. Dafür verwendet man meistens eine Digitaldelay-Schaltung, die das Signal um einen vorher eingestellten Wert verzögert. Dieser Wert muss allerdings von jedem individuell eingestellt werden, da er sich in jedem Raum unterscheidet. Es bedarf also durchaus eines gewissen Know-how’s, was die Double-Bass-Anordnung zwar nicht unerreichbar macht, aber für den Laien recht schwierig gestaltet. Ambitionierte Hobby-Raumakustiker finden im Internet natürlich auch dafür einen Lautsprecher Rechner.

Fazit

Die wenigsten machen sich so viele Gedanken über ihren Heimkinobass, wie Anhänger der Double-Bass-Anordnung. Die meisten geben sich mit einem Subwoofer zufrieden, denn die leisten heutzutage schon wirklich viel fürs Geld. Möglich machen das, neben gesunkenen Materialkosten, auch kluge Bauweisen wie das Bassreflex-Gehäuse. Doch lässt sich nicht abstreiten, dass diese Subwoofer hin und wieder ein unangenehmes Dröhnen erzeugen können. Dem kann man entweder durch Schallabsorber an der Rückwand entgegenwirken oder man findet sich damit ab. Die Double-Bass-Anordnung ist nur dann zu empfehlen, wenn der Besitzer in der Lage ist, sein Heimkino sauber zu vermessen. So kann er die Verzögerungszeit genauestens berechnen und erzielt dann tatsächlich so etwas wie den perfekten Bass. So ein Schritt sollte aber sorgsam geplant sein. Zudem dürfen die weitaus höheren Materialkosten bei der Double-Bass-Anordnung nicht vergessen werden.

Titelbild: © By NewYork1956 at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

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Teufel Blog Redaktion

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