Dynamik Range Day

Der Dynamic Range Day. Eine Kampagne gegen langweiligen Klang

Worum geht es beim Dynamic Range Day?

Der heutige Dynamic Range Day möchte im Sinne des bestmöglichen Klanges errreichen, dass grundsätzlich Musikaufnahmen nicht nachträglich durch Anpassungen des Dynamikumfang verändert werden. Und das aus gutem Grund: denn in großen Teilen der Musikindustrie neigt man dazu, den dynamischen Umfang einer Tonaufnahme mit allerlei technischen Tricks zu verkleinern, wodurch die Musik zwar gefühlt lauter, aber das Klangbild nicht unbedingt besser wird. Im Gegenteil.

Offizielles Video zum Dynamik Range Day

Lautheit ist nicht Lautstärke

Oft wird Lautheit mit Lautstärke verwechselt, jedoch wird mit Lautheit im Gegensatz zu der physikalischen Lautstärke die empfundene Lautstärke ermittelt. Also ähnlich der Angabe der empfundenen Temperatur. Lautheit hat aber davon abweichend eine eigene Maßeinheit – das Sone.

Es ist ein Merkmal von einem guten Lautsprecher, dass dieser Tonsignale möglichst unverfälscht wiedergibt. Abgespielt auf einem guten Lautsprecher sollten weiche Töne, gespielt auf einer Violine oder von einer Stimme geflüstert, genau so detailliert klingen wie markige laute Töne. Kein Song bleibt dabei durchgehend auf einer bestimmten Lautheit. Laute Passagen wechseln sich mit leisen ab.

Genau dieser Wechsel der Lautheit innerhalb eines Tracks ist nach den Erfahrungen vieler etwas, was als angenehm empfunden wird. Es macht die Musik interessant, kann Gefühle auslösen und ist einfach angenehmer zu hören als Tracks mit einem sehr geringen Dynamikumfang.

Viele Musikhörer empfinden Songs mit nur geringen Unterschieden zwischen Ihren leisesten und lautesten Abschnitten als nervig und aggressiv und regelrecht herausgewürgt. Manche erlebten sogar das Phänomen der Ohrmüdigkeit beim Hören – man wollte einfach Songs, welche auf „laut getrimmt“ wurden, nicht mehr weiterhören.

Wie stark sich ein Tonsignal ändern kann, ist im folgenden Video anschaulich dargestellt:

Aus unserer Sicht ist das Abspielen von stark komprimierten Songs vergleichbar mit einem Sportwagen, der stundenlang nur auf der Autobahn und mit gleicher Geschwindigkeit fährt – statt Spaß gibt es nur ein zweckmäßiges Vorwärtskommen. Auch Musikhören ist viel zu facettenreich, um nur heruntergeleiert zu werden. Man kann auch sagen, dass ein mit hohem Lautheitspegel abgemixter Song zwar lauter aber auch deutlich flacher klingt.

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Wieso wird der Dynamikumfang überhaupt verringert, wenn es schlechter klingt?

Eine Erklärung könnte – Jahre zurück – in der Zeit der beginnenden Verbreitung von öffentlichen Musik-Abspielgeräten, den Jukeboxen liegen. Seit den 40iger Jahren traten diese Jukeboxen ihren Siegeszug an. Bald kam kaum eine Bar oder Café ohne eine solche Jukebox aus. Diese Geräte basierten auf einem Plattenspieler, welcher durch eine ausgefeilte Mechanik in der Lage war, die in einem speziellen Fächerspeicher untergebrachten Singles automatisch zu wechseln.

Dynamic Range - Die Jukebox
Jukebox als Stimmungskiller? Quelle: By Schnékert (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Das Ganze wurde in ein hübsches Glasgehäuse mit Leuchtelementen integriert und von außen konnte man die Singles gegen einen kleinen Münzobulus über entsprechende Tasten auswählen. Für die Musik selbst wurden aus Platzgründen ausschließlich Singles mit meist zwei Songs pro Seite verwendet.

Jukeboxen hatten aber einen technischen Mangel – es gab keine Lautstärkeregelung. Um dieses Manko zu umgehen und somit beim Abspielen mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, wurde in die tontechnische Trickkiste gegriffen und die Musik eben auf diesem Weg lauter gemacht. Damit hob man sich hörbar von normalen Platten zumindest so lange ab, bis alle Singles so hergestellt wurden und die physikalische Grenze der Lautheitsanhebung erreicht war.

Aufkommen der CD als Kehrtwende bei der Lautheitsanpassung

Die großen Schwestern der Singles, die Langspielplatten oder kurz LP genannt, entgingen vorerst dem Schicksal des akustischen Tunings und waren lange Zeit Standard für Aufnahmen mit einem hohen Dynamikumfang.

Erst mit der Entwicklung der CD (kurz für Compact Disc) kamen die Toningenieure wieder auf den Plan. Denn mit der Digitalisierung von Musik wurde auch der technische Spielraum für eine Veränderung der „Dynamic Range“ größer. Es wurde unheimlich viel ausprobiert um eine Veröffentlichung auf einer CD wettbewerbsfähiger zu machen. Heraus kamen dabei zusätzliche Aufnahmen wie dem bekannten Radio Edit. So konnte man den gleichen Track gleich zweimal verkaufen.

CDs hatten anfangs immerhin den Vorteil, dass sie als Ganzes abgemischt wurden und zumindest alle Songs auf der Scheibe die gleichen technischen Einstellungen hatten. Dies änderte sich jedoch wieder als sich das Format änderte und MP3-Tracks sich durchsetzten.

Auch Streamingdienste sollten ihre Technologien nach dem besten Klang richten

Mit Musik im MP3-Format kam wieder das Jukebox Prinzip auf: Statt ganzer Alben hört man wieder einzelne Tracks. Diese Aufnahmen mit teilweise ganz unterschiedlichen Kompressionsraten und Abmisch-Einstellungen werden hintereinander aufgereiht und über eine Playlist abgespielt. Das ergab natürlich wieder ein großes Motiv für Veränderungen des Dynamikumfanges – abermals eben auch zum Lasten des Hörgenusses.

Auch Streamingdienste sind stets geneigt, ihre Bibliotheken zu optimieren, um vielleicht noch ein bisschen Bandbreite oder Speicherplatz zu gewinnen. Doch wenn man schon den Dienst im Abo hat, sollte wenigstens die Qualität stimmen. Auch hier gilt es, ein Zeichen gegen die Manipulation zu setzen.

Kann Software den Klang bei Tracks mit wenig Dynamikumfang verbessern?

Die Einflussnahme auf die Originaltracks führte jedoch auch dazu, dass es mittlerweile eine Vielzahl von APP’s, Plug-Ins oder integrierter Filter in Verstärkern gibt, welche es Hörern und Radiosendern erlaubt, die Tracks akustisch wieder besser zu hören, auch wenn einzelne Tracks zuvor irreversibel verändert wurde.  So bietet iTunes mittlerweile eine „Sound Check-Funktion“ an, welche alle Titel in der Musiksammlung zumindest auf ein Niveau anpasst. Das erspart schon mal das nervige Nachjustieren der Lautstärke bei jedem Track.

Je mehr Gegenwind das nachträgliche Manipulieren von Tracks erhält, um so stärker wird auch der Wind aus den Segeln deren genommen, welche auf diese Art den Verkauf Ihrer Musik steigern wollen. Mehr als je zuvor sollte es im Interesse aller Beteiligten – von den Künstlern bis zum Toningenieur – sein, mit einem zu kleinen Dynamikumfang aufzuhören.

Jeder hat es mit der Hand, dass zukünftig mehr Musik wieder musikalisch statt einfach nur laut klingt. Dieses Thema soll der Dynamic Range Day ins Bewusstsein rufen.

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Hinweis: der letzte Abschnitt wurde gegenüber der Originalversion geändert.

Quelle Titelbild: LHMike at en.wikipedia [Public domain]

Der Dynamic Range Day. Eine Kampagne gegen langweiligen Klang
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  1. Harald
    28. Apr. 2018, 16:44

    Hallo,

    es freut mich, dass Sie sich für dynamische Musik einsetzen. Allerdings habe ich eine Kritik am Artikel:

    Den Abschnitt „Hoffnung am Horizont – Software oder Apps stellen den Dynamikumfang wieder her“ bezweifel ich stark. Gute D/A-Wandler können es angenehmer machen, laut komprimierte Musik zu hören, aber durch die Kompression werden die Daten so verändert, dass eine Zurückführung in einen dynamischeren Zustand nicht mehr annähernd original möglich ist.

    Die Anpassungsfunktionen für die Lautstärke von Playern und Streamingservices verändern die Dynamik von vorhanden Tracks nur dann, wenn sie einen Limiter einsetzen. Dann reduzieren sie aber die Dynamik.

    In dieser Form von einer Wiederherstellung der Dynamik zu schreiben, weil zu hoch komprimierte Tracks dynamischer neu aufgelegt werden, halte ich ohne einen Hinweis auf diesen Effekt für nicht nachvollziehbar.

    • Teufel Blog Redaktion

      Teufel Blog Redaktion
      30. Apr. 2018, 11:12

      Harald, danke für deinen HInweis, der letzte Abschnitt wurde angepasst.

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