Der Vorverstärker – heute und damals

Dass der Verstärker das Fundament einer jeden HiFi-Anlage ist, haben wir bereits erklärt. In dem Beitrag über Vollverstärker ging es auch um die Gattung der Vorverstärker. Ihm wollen wir uns heute ausführlich widmen. Denn er ist nicht nur, wie im Artikel zu vollen Audio HiFi Verstärkern beschrieben, als interner Vorverstärker erhältlich, sondern auch als externes HiFi-Modul. Als solches war der Vorverstärker in den Anfangstagen der HiFi-Welt sehr verbreitet. Damals kam ihm eine überwiegend praktische Aufgabe zu. Meist waren an ihm Quellgeräte wie Plattenspieler, Tonbandgerät oder Radio Tuner angeschlossen. Mithilfe eines Drehschalters oder verschiedener Knöpfe konnte man zwischen den einzelnen Geräten wählen und zudem Höhen, Mitten und Bässe regulieren.

So stellte sich die Situation in den 1980ern dar, als die Bedienelemente des Vorverstärkers denen eines Flugzeugcockpits ähnelten. Heute finden sich auf vielen Vorverstärkern der Oberklasse nur noch zwei Knöpfe: einer für die Lautstärke und einer für die Kanalwahl. Die unterschiedlichen Quellgeräte werden meist mit einem AV-Receiver gesteuert, Audio- und Video-Receiver sowie Verstärker in einem Gerät. Alternativ kann man zu einem Steuergerät greifen, beispielsweise dann, wenn Aktivlautsprecher angeschlossen sind. Doch dazu später mehr. Bleiben wir zunächst beim Vorverstärker. Zwar existiert dieser auch heute noch, allerdings ist er deutlich seltener geworden. Als die ersten CD-Player mit integriertem Lautstärkeregler auf den Markt kamen, wurde der Vorverstärker für viele überflüssig. In der Regel wurde ohnehin nur ein Quellgerät betrieben oder der Verstärker verfügte bereits über eine Umschaltmöglichkeit. Oft wurde der CD-Player also direkt mit dem Verstärker verbunden und lieferte sogar ein besseres Klangerlebnis als mit einem Vorverstärker.

Das aber hatte überwiegend mit der Qualität der damaligen Vorverstärker zu tun. Auch wenn sich keine allgemeine Aussage treffen lässt: Ein Großteil der damaligen Vorverstärker lieferte eher dürftige Ergebnisse. Oft war der Klang blechern und unausgewogen. Aufgrund ihrer Anschlussmöglichkeiten waren sie dennoch gefragt. Da diese Funktion aber heute aufgrund der Verbreitung von AV-Receivern kaum mehr eine Rolle spielen, findet man externe Vorverstärker immer seltener – außer im High-End-Bereich. Dort spielt ein guter – wohlgemerkt ein guter – Vorverstärker immer noch eine entscheidende Rolle. Zumindest sieht das ein Lager der HiFi-Experten so. Sie sind der Ansicht, dass die Klangqualität erhöht wird, wenn man zwischen Quellgerät und Verstärker noch einen guten Vorverstärker schaltet. Das andere Lager hingegen verspricht sich durch die direkte Verbindung von Quellgerät und Verstärker ein unverfälschtes und demzufolge auch ein sehr gutes Klangerlebnis. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden.

Der Phonoverstärker

266px-Phono-preampEs existiert noch eine weitere Vorverstärkergattung, die auch heute noch für gewisse Systeme essenziell ist, insbesondere für Plattenspieler: Die Rede ist vom sogenannten Phonoverstärker, auch Phono-Vorverstärker oder Entzerrvorverstärker genannt. Alle Plattenspieler mit MM- (Moving Magnet) oder MC- (Moving Coil) Systemen benötigen nämlich diesen speziellen Vorverstärker, um das Signal so anzuheben, dass der eigentliche Verstärker damit arbeiten kann. Auch wenn das Abspielen selbst vielleicht noch möglich wäre, ein brauchbares Signal würde ohne speziellen Preamp nicht am Verstärker ankommen. Zusätzlich wird das Signal entzerrt.

Doch auch hier gibt es ein großes „Aber“: Im Laufe der Jahre sind Hersteller auf die Idee gekommen, den Phonoverstärker in die Vollverstärkereinheit oder gleich in den Plattenspieler zu integrieren. Einen bereits integrierten Phonoverstärker erkennt man beispielsweise am Phonoeingang des Verstärkers. Beim Phonoeingang handelt es sich um einen herkömmlichen Stereo Cincheingang, der meist mit dem Schriftzug „Phono“ gekennzeichnet ist. Das bedeutet, dass die dort eingehenden Signale entsprechend angehoben werden. Sollte der Plattenspieler selbst bereits über einen eingebauten Phonoverstärker verfügen, dann darf dieser nicht am Phonoeingang angeschlossen werden. Ob das bei Ihrem Plattenspieler der Fall ist, entnehmen Sie am besten der Gebrauchsanweisung oder einer passenden Produktbeschreibung im Internet.

Steuergeräte

Was viele fälschlicherweise für einen Verstärker halten, ist in Wahrheit gar keiner. Steuergeräte wie die Teufel DecoderStation 5 Mk2 sehen zwar auf den ersten Blick aus wie ein kleiner Verstärker oder AV-Receiver. Ihre einzige Aufgabe besteht aber darin, das zu übernehmen, was Anfang der 1980er noch der Vorverstärker leistete: die Verwaltung der verschiedenen Quellgeräte, ohne dabei auch nur ein einzelnes Signal zu verstärken. Das ist glücklicherweise auch nicht nötig, denn ein solches Steuergerät ist auf Aktivlautsprecher ausgelegt – solche Lautsprecher also, die bereits über einen integrierten Verstärker verfügen. Diese aktiven Lautsprechersysteme sind vor allem im Einsteigerbereich verbreitet, bieten oft aber nicht genug Anschlussmöglichkeiten, um mehrere Geräte daran anzuschließen – hier kommt das Steuergerät ins Spiel.

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Fazit

Auch wenn ein Vorverstärker heute eigentlich nicht mehr nötig ist, ist er dennoch omnipräsent. Schließlich ist er es, der alle Signale auf den gleichen Pegel anhebt, damit die Endstufe ein sauberes Signal bekommt. Aber er verrichtet seine Arbeit im Verborgenen, fest verbaut in nahezu allen Vollverstärkern oder AV-Receivern. Das Verwalten und Steuern verschiedener Quellgeräte übernimmt mittlerweile entweder der AV-Receiver oder ein separates Steuergerät. Letzteres kontrolliert ein angeschlossenes Aktivlautsprecher-Setup. Auch bei Plattenspielern ist heutzutage nicht mehr zwingend ein Phono-Vorverstärker notwendig, da dieser oft im Plattenspieler selbst oder im Verstärker verbaut ist. Einen externen Vorverstärker findet man heute also nur noch im High-End-Hi-Fi-Bereich. Schließlich soll hier aus jeder Komponente das Bestmögliche herausgeholt werden. Dazu gehört, dass das Signal vom Quellgerät in bestmöglicher Qualität an den Verstärker gegeben wird – und genau das erledigt der Hi-Fi-Vorverstärker.

Titelbild Vorverstärker: © „Quad 33 Front“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.

Bild 1 Phonoverstärker: © „Phono-preamp“ von ArbeiterreserveEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

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