45 Jahre Minimoog – Ein Instrument, das die Musikwelt verändert hat

Für Musiker und Musik-Enthusiasten ist Robert Moog eine Legende. Der 2005 verstorbene Physiker gilt als Pionier der elektronischen Musik und hat mit dem Synthesizer in den 1960er Jahren ein völlig neues Instrument erfunden. Das war vor ihm zuletzt Adolphe Sax im Jahr 1842 gelungen. Der Erfolg kam allerdings erst mit dem Modell, das der Tüftler 1970 erdacht hatte: dem Minimoog. Im Gegensatz zu seinen Vorgängermodellen war der Minimoog der erste Kompaktsynthesizer. Statt unterschiedlicher Module, Systeme und Steckverbindungen kam der Minimoog als fertiges Instrument daher und wurde somit für Musiker auf der ganzen Welt interessant. Für seine Erfindung erhielt Bob Moog 1971 auch den Technical Grammy.

Der Minimoog erobert die Bühnen im Sturm

Den ersten monophonen Synthesizer entwickelte Bob Moog bereits 1964 und präsentierte ihn auf der „Audio Engineering Society Convention“ – dieses Modell war noch modular aufgebaut. In den späten 1960ern feierten Synthie-Klänge erste Erfolge, z. B. mit dem Album „Switched-On Bach“ von Komponistin Wendy Carlos (ehemals Walter Carlos), auf dem Bach-Stücke mit einem Moog-Synthesizer interpretiert wurden. Auch die Beatles benutzten einen Moog für ihr Album „Abbey Road“, wenn auch nur sehr dezent. Unerwähnt bleiben darf auch nicht die Verwendung der futuristischen Synthesizer-Klänge in diversen Science-Fiction-Filmen dieser Jahre. Da das modulare Moog-System für Live- und Bühnenauftritte zu sperrig und umständlich war, musste eine Alternative her: Die Idee des Minimoog war geboren.
Die Auswirkungen des Kompaktsynthesizers auf die Musikindustrie waren und sind gewaltig. Kaum ein Instrument hat die Entwicklung der Popmusik und diverser Genres so stark geprägt wie der Minimoog. Der Synthesizer war über Jahrzehnte in fast allen musikalischen Genres beheimatet und aus dem Klangbild vieler Stücke kaum mehr wegzudenken – von Rock über Jazz und Reggae bis hin zu New Wave, der Neuen Deutschen Welle und vielen anderen. Musiklegenden wie ABBA, Bob Marley, The Beatles, Pink Floyd, Queen, The Rolling Stones, Kraftwerk, Gary Numan, Chick Corea, Trent Reznor und unzählige andere haben mit dem berühmten Synthesizer gearbeitet. Kraftwerk setzten den Minimoog auf ihrem 1974 erschienenen Album „Autobahn“ derart ausgiebig ein, dass man das Instrument sogar als ausschlaggebend für die Entwicklung elektronischer Musik bis hin zu den unterschiedlichen modernen Strömungen der elektronischen Tanzmusik bezeichnen kann.

Trotz Weiterentwicklungen und Ablegern des Minimoog wie dem Minimoog Voyager konnte kein anderer Synthesizer an den riesigen Erfolg des 1970 erschienenen Instruments anknüpfen. Auch rein digitale Abbilder – also Programme, die den Klang des Minimoog nachzuahmen versuchen, scheitern noch heute am Klassiker. Der berüchtigte, meist futuristisch anmutende Sound des Minimoog gilt nämlich unter Musikern bis heute als absolut unerreicht und einzigartig.

Aufbau und Technik des Minimoog

Das wichtigste Merkmal des Moog Minimoog war seine kompakte Bauform. Während Synthesizer bis dahin sperrige und schwer zu handhabende Geräte aus vielen Einzelkomponenten waren, die für einen Live-Auftritt mühsam verkabelt werden mussten, verband der Minimoog alle Komponenten in einem handlichen Gerät. Durch die leichte und kompakte Bauweise konnten Musiker den Minimoog auch auf anderen Instrumenten platzieren und bei Konzerten problemlos verwenden. Aber auch die klare und verständlich strukturierte Bedienoberfläche des Minimoog war ein entscheidendes Kriterium für seinen Erfolg; noch heute orientieren sich viele mono- und polyphone Synthesizer daran. Von links nach rechts findet der Musiker die Oszillatoren zur Tonerzeugung, die Filter zur Tonformung und Hüllkurvengeneratoren – ein Aufbau, welcher den zu erzeugenden Klang logisch abbildet.

Für den einzigartigen Sound des Synthesizers ist ein Verfahren verantwortlich, das Subtraktive Synthese genannt wird. Zunächst spielen die drei analogen, spannungsgesteuerten Oszillatoren eine zentrale Rolle. Diese Oszillatoren erzeugen Schwingungen, die über Lautsprecher ausgegeben werden. Da nur eine begrenzte Schwingungs- beziehungsweise Wellenform mit den Oszillatoren erzeugt werden kann, muss der Ton verändert werden. Wie der Name „Subtraktive Synthese“ bereits verrät, wird dem Ton – bildlich ausgedrückt – etwas abgezogen. Diese Aufgabe übernehmen die Filter, die bestimmte Frequenzen aus dem Klang der Oszillatoren entfernen und so ganz unterschiedlich gefärbte Klänge entstehen lassen. Zu guter Letzt greifen die Hüllkurven (bei Moog auch „Contours“ genannt) in die Klanggestaltung ein. Sie sind für den Aufbau von Tönen verantwortlich, indem sie die Parameter im Zeitverlauf verändern. Der Aufbau ist in vier Phasen eingeteilt: Attack – die Zeit, bis sich der Ton zum Maximalwert hin aufgebaut hat; Decay – das Absinken auf den Wert des Sustain-Levels; das Sustain selbst – der Wert, auf dem der Ton gehalten wird; und die Phase des Release – in welcher die Hüllkurve auf null absinkt und der Ton ausklingt.

Eine sehr ausführliche Erklärung, wie ein Synthesizer und seine einzelnen Komponenten im Detail arbeiten, findet man hier.

Fazit

Der Moog Minimoog Model D ist und bleibt eine Legende für Musiker und Musikenthusiasten – aufgrund seines charakteristischen Sounds und ob der Tatsache, dass er die Synthesizer so revolutionierte, dass sie auch im Bühnenbetrieb einsatzfähig wurden. Wer einen Minimoog besitzt, hütet ihn wie seinen Augapfel. Das Instrument ist nämlich nach wie vor gefragt und durch die Einstellung der Produktion 1981 mittlerweile sehr selten und schwer zu bekommen. Kein Wunder, dass immer wieder Gerüchte laut werden, dass das Model D wieder in Produktion gehen soll.

Als Tribut an dieses großartige Instrument, welches die Welt der Pop- und Rockmusik so nachhaltig gefärbt hat, drehen wir heute Abend die Stereo-Anlage auf. Und natürlich spielen wir nur ein paar herausragende Songs, die nur dank Minimoog so großartig und ikonisch geworden sind.

Titelbild: © Andrew Russeth „Minimoog model D c. 1970“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com

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Teufel Blog Redaktion

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