Schallplatten: Digitalisierung schützt die Originale

Alle Welt redet von Vinyl. Mittlerweile kommen so viele Schallplatten auf den Markt, dass die Presswerke bei der Erfüllung der vielen Aufträge kaum nachkommen. Alte Platten werden auf Flohmärkten und in Plattenläden heißer gehandelt als jemals zuvor. Nur wie sieht es mit der Digitalisierung von Schallplatten aus? Die ist vor allem interessant, wenn es darum geht, Aufnahmen mobil verfügbar zu machen und seltene Platten zu konservieren.

Wenn Sie Aufnahmen als CD oder digital kaufen können, sollten Sie sich allerdings gut überlegen, ob sich der Aufwand für die Digitalisierung noch lohnt. Die Umwandlung analog gespeicherter Daten in digitale Informationen erfolgt in Echtzeit. Je besser die digitale Version des Originals qualitativ sein soll, desto größer ist der dafür notwendige technische Aufwand. Um ein wirklich optimales Ergebnis zu erzielen, wäre wohl professionelle Studiotechnik notwendig. Wir stellen zwei Verfahren vor, die eine Digitalisierung ohne teure Zusatzanschaffungen ermöglichen.

Plattenspieler mit Aufnahmefunktion

Dies ist wohl die einfachste Methode der Digitalisierung. Die Abspielgeräte sind mit einer Aufnahmefunktion und einem USB-Eingang ausgestattet. USB-Stick einstecken, Plattenspieler und Aufnahmefunktion starten und warten, bis die Schallplatte durchgelaufen ist. Auf dem USB-Stick wird am Ende der Aufnahme-Session meist eine MP3-Datei abgelegt. Damit wird auch schon deutlich, dass eine Digitalisierung mit solchen All-in-One-Geräten verlustbehaftet ist. Nicht alle Geräte erreichen außerdem eine Datenrate von 196 kbit/s. Die sollte es aber schon sein, um brauchbare MP3s zu erhalten. Nach der Aufnahme ist es möglich, die MP3-Datei am Computer zu bearbeiten. Die verbreitetste Software dafür ist Audacity (GNU-Lizenz). Da die MP3 nach der Aufnahme als ein langer Gesamt-Track vorliegt, müssen Sie die einzelnen Lieder ggf. noch mithilfe der Software nach Titeln unterteilen und außerdem von Rauschen und Knistern befreien. Dazu unten mehr.

Aufnahme über PC

Nahezu jeder Computer kann Audiosignale digitalisieren. Voraussetzung dafür ist eine Soundkarte oder ein auf dem Mainboard integrierter Soundchip, über den nahezu jeder Computer verfügt, sowie eine Verbindung zwischen Computer und Schallplattenspieler. Wenn der Plattenspieler nicht über einen USB-Ausgang verfügt, benötigen Sie ein Adapterkabel von Cinch-Anschluss auf Line-in-BuchsBeliebter denn je: die Suche nach alten Plattene. Für eine annehmbare Klangqualität wird außerdem ein Vorverstärker zwischen Plattenspieler und Computer benötigt. Dieser hebt den niedrigen Lautstärke-Ausgangspegel des Plattenspielers und korrigiert den Frequenzgang. Die Preisspanne bei Vorverstärkern ist groß. Einige sind schon ab ungefähr 40 Euro zu haben. Hochwertige Geräte können aber auch mehrere hundert Euro kosten. Als Aufnahmesoftware auf dem Computer können Sie wiederum Audacity verwenden, das im Übrigen auch für Mac OS verfügbar ist. Vergessen Sie vor der Aufnahme nicht, den Plattenspieler zu erden. Dafür muss nur das Massekabel des Plattenspielers am Masseanschluss des Vorverstärkers befestigt werden. Außerdem lohnt es sich, die Platten vor dem Digitalisierungsdurchgang fachgerecht zu säubern.

In diesem Beitrag haben wir einen Vergleich zwischen aktuellen und früheren Vorverstärkern angestellt.

Zur Aufnahme-Software und Nachbearbeitung

Neben Audacity stehen viele weitere Audio-Bearbeitungsprogramme zur Auswahl, beispielsweise das kostenlose Traverso DAW oder das kostenpflichtige Magix Audio Cleaning Lab. Verglichen mit anderen Sound-Editing-Programmen ist Audacity kein sonderlich umfangreiches Programm, bietet aber genügend Funktionen, um die digitalisierten Dateien „zu schneiden“ und in der weiteren Nachbearbeitung Soundverbesserungen zu erzielen. Die wichtigste Einstellung vor der Aufnahme ist der Aufnahmepegel. Dieser sollte unterhalb des Maximums liegen, um ein Übersteuern zu vermeiden. Das können Sie mithilfe von Probeaufnahmen ausschließen.

Wer Platten mit den vorgestellten Verfahren digitalisiert, wird bei der digitalen Wiedergabe kaum den gleichen Klang erhalten wie auf dem Original. Vinyl-Liebhaber werden das sicherlich als subjektiven Nachteil erleben. Objektiv lässt sich aber die Klangqualität der digitalen Version mit vergleichsweise geringem Aufwand verbessern, indem man Audio-Programme einsetzt. Um ein Programm wie Audacity zu bedienen, sind keine Expertenkenntnisse notwendig. Jede Audio-Datei wird in einer Soundkurve visualisiert, in der man beispielsweise die Übergänge zwischen den Titeln gut erkennen kann. Der Nutzer kann diese also direkt anwählen. Klick-Geräusche und Rauschen können mit einem Mausklick entfernt werden, weil die Software diese automatisch erkennt. Außerdem kann das Rauschen am Anfang und Ende der unterteilten Dateien durch Übergänge bzw. Fades ersetzt werden.

Fazit: Überlegen, ob es sich lohnt

Eine Digitalisierung von Schallplatten lohnt sich vor allem für diejenigen, die seltene Vinyl-Schätze besitzen, die nicht in einer digitalen Version erhältlich sind. Allein für die Digitalisierung lohnt sich die Anschaffung eines Schallplattenspielers mit Aufnahmefunktion selten. Mit Vorverstärkern und Computern lassen sich bei relativ geringem Kostenaufwand ebenfalls ordentliche Ergebnisse erzielen. Wer sich dafür entschieden hat, seine Schallplatten vor dem analogen Verfall zu bewahren, sollte außerdem Zeit mitbringen: Digitalisierung funktioniert nur in Echtzeit.

In diesem Beitrag finden Sie einen kleinen Plattenspieler-Guide.

Titelbild: © By Acid Pix (Vinyl Kills) Bestimmte Rechte vorbehalten, Quelle: Flickr
Bild 1: © By Marc Wathieu (Brussles Vinyl Record Fair 2014) Bestimmte Rechte vorbehalten, Quelle: Flickr

Schallplatten: Digitalisierung schützt die Originale
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  1. Nils A.
    11. Apr. 2016, 17:37

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ne Standard Soundkarte da einen vernünftigen Klang rausholt. Wäre da nicht ein besserer A/D Wandler anzuraten?

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Teufel Blog Redaktion

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