dRD Dynamic Range Day – Die Lautheit im Fokus

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Quelle: dynamicrangeday.co.uk/

Der jährliche „Dynamic Range Day“ soll die Aufmerksamkeit auf einen technischen Zusammenhang lenken, welcher jedermann betrifft, der es mag Musik zu hören oder – so wie wir – Musik-Abspielgeräte herstellt: Denn in großen Teilen der Musikindustrie neigt man dazu, den ursprünglichen dynamischen Umfang einer Aufnahme mit allerlei technischen Tricks zu verkleinern, wodurch die Musik zwar gefühlt lauter, aber das Klangbild nicht unbedingt besser wird. Im Gegenteil. Der „Dynamic Range Day“ möchte daher im Sinne eines exzellenten Wiedergabe möglichst keine Veränderung des tontechnischen Dynamikumfanges. Wir erklären Euch warum auch Teufel den „Dynamic Range Day“ sinnvoll findet.

Lautheit ist nicht Lautstärke

Oft wird Lautheit mit Lautstärke verwechselt, jedoch wird mit Lautheit im Gegensatz zu der physikalischen Lautstärke die empfundene Lautstärke ermittelt. Also ähnlich der Angabe der empfundenen Temperatur. Lautheit hat aber davon abweichend eine eigene Maßeinheit – das Sone.

Es ist ein Merkmal von einem guten Lautsprecher, dass dieser eine Aufnahme genau und eben dynamisch wiedergeben kann. Abgespielt auf einem guten Lautsprecher sollten weiche Töne auf einer Violine gespielt oder von einer Stimme geflüstert genau so detailliert klingen wie markige laute Töne. Kein Song bleibt dabei durchgehend auf einer bestimmten Lautheit. Laute Passagen wechseln sich mit leisen ab. Genau dieser Wechsel der Lautheit innerhalb eines Tracks ist nach den Erfahrungen vieler etwas, was als angenehm empfunden wird. Es macht die Musik interessant, kann Gefühle auslösen und ist einfach angenehmer zu hören als Tracks mit einem sehr geringen „Dynamic Range“.

Viele Musikhörer empfinden Songs mit nur geringen Unterschieden zwischen Ihren leisesten und lautesten Abschnitten als nervig und aggressiv und regelrecht herausgewürgt. Manche erlebten sogar das Phänomen der „Ohrmüdigkeit“ beim Hören – man wollte einfach Songs, welche auf „laut getrimmt“ wurden, nicht mehr weiterhören. Wie stark sich ein Tonsignal ändern kann, ist im folgenden Video anschaulich dargestellt.

Aus unserer Sicht ist das Abspielen von stark komprimierten Songs auf Teufel Lautsprechern als wenn man mit einem Geländewagen stundenlang nur auf der Autobahn und mit gleicher Geschwindigkeit fährt – es wird langweilig. Der Wagen wird in seinen Möglichkeiten kaum genutzt, statt Spaß „offroad“ gibt es nur ein zweckmäßiges Vorwärtskommen. Auch Musikhören ist viel zu facettenreich, um nur heruntergeleiert zu werden. Man kann auch sagen, dass ein mit hohem Lautheitspegel ab gemixter Song zwar lauter aber auch deutlich flacher klingt.

Wenn nun ein geringer Dynamikumfang die Musik eigentlich schlechter klingen lässt, stellt sich die Frage, warum Musiker, Studios und Plattenfirmen überhaupt die Dynamik verringern?

Dynamic Range - Die Jukebox
Quelle: By Schnékert (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Eine Erklärung könnte Jahre zurück in der Zeit der beginnenden Verbreitung von öffentlichen Musik-Abspielgeräten – den Jukeboxen – liegen: Seit den 40iger Jahren traten diese Jukeboxen ihren Siegeszug an. Bald kam kaum eine Bar oder Café ohne eine solche Jukebox aus. Diese Geräte basierten auf einem Plattenspieler, welcher durch eine ausgefeilte Mechanik in der Lage war, die in einem speziellen Fächerspeicher untergebrachten Singles automatisch zu wechseln. Das Ganze wurde in ein hübsches Glasgehäuse mit Leuchtelementen integriert und von außen konnte man die Singles gegen einen kleinen Münzobolus über entsprechende Tasten auswählen. Für die Musik selbst wurden aus Platzgründen ausschließlich Singles mit meist zwei Songs pro Seite verwendet. Jukeboxen hatten aber einen technischen Mangel – es gab keine Lautstärkeregelung. Um dieses Manko zu umgehen und somit beim Abspielen mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, wurde in die tontechnische Trickkiste gegriffen und die Musik eben auf diesem Weg lauter gemacht. Damit hob man sich hörbar von normalen Platten zumindest so lange ab, bis alle Singles so hergestellt wurden und die physikalische Grenze der Lautheitsanhebung erreicht war.

Die großen Schwestern der Singles, die Langspielplatten oder kurz LP genannt, entgingen vorerst dem Schicksal des akustischen Tunings und waren lange Zeit Standard für Aufnahmen mit einem hohen Dynamikumfang.

Erst mit der Entwicklung der CD (kurz für Compact Disc) kamen die Toningenieure wieder auf den Plan. Denn mit der Digitalisierung von Musik wurde auch der technische Spielraum für eine Veränderung der „Dynamic Range“ größer. Es wurde unheimlich viel ausprobiert um eine Veröffentlichung auf einer CD wettbewerbsfähiger zu machen. Heraus kamen dabei zusätzliche Aufnahmen wie dem bekannten „Radio Edit“ – so konnte man den gleichen Track gleich zweimal verkaufen. CDs hatten anfangs immerhin den Vorteil, dass sie als Ganzes abgemischt wurden und zumindest alle Songs auf der Scheibe die gleichen technischen Einstellungen hatten. Dies änderte sich jedoch wieder als sich das Format änderte und „mp3“-Tracks sich mehr und mehr verbreiteten.
Mit den mp3’s kam wieder das Jukebox Prinzip auf: Statt ganzer Alben hört man wieder einzelne Tracks. Diese Aufnahmen mit teilweise ganz unterschiedlichen Kompressionsraten und Abmisch-Einstellungen werden hintereinander aufgereiht und über eine Playlist abgespielt. Das ergab natürlich wieder ein großes Motiv für Veränderungen des Dynamikumfanges   – abermals Aufmerksamkeit zu erzielen doch eben auch zum Lasten des Hörgenusses.

Hoffnung am Horizont

Die erneute Einflussnahme auf die Originaltracks führte im Gegenzug jedoch auch dazu, dass es mittlerweile eine Vielzahl von APP’s, Plug-Ins oder integrierter Filter in Verstärkern gibt, welche es Hörern und Radiosendern erlaubt, die Tracks akustisch wieder zu normalisieren. Eine kleine Hoffnung am Horizont im Wirrwarr der Technik. So bietet iTunes mittlerweile eine „Sound Check-Funktion“ an, welche alle Titel in der Musiksammlung zumindest auf ein Niveau anpasst. Das erspart schon mal das nervige Nachjustieren der Lautstärke bei jedem Track.

Je mehr Gegenwind das nachträgliche Manipulieren von Tracks erhält, um so stärker wird auch der Wind aus den Segeln deren genommen, welche auf diese Art den Verkauf Ihrer Musik steigern wollen. Mehr als je zuvor sollte es im Interesse aller Beteiligten – von den Künstlern bis zum Toningenieur – sein, mit einem zu kleinen Dynamikumfang aufzuhören. Jeder hat es mit der Hand, dass zukünftig mehr Musik wieder musikalisch statt einfach nur laut klingt. Dieses Thema soll der „Dynamic Range Day“ ins Bewusstsein rufen. (tom)

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Quelle Titelbild: LHMike at en.wikipedia [Public domain]

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Teufel Blog Redaktion

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