DTS:X – der nächste 3D-Sound-Standard

Dolbys neuestes Raumklangformat Dolby Atmos ist derzeit in aller Munde. Zusammen mit dem Konkurrenz-Standard Auro-3D repräsentiert Dolby Atmos die Zukunft im Kino und im Heimkino. Auch Dolbys größter Konkurrent DTS gab bereits Anfang des Jahres auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas bekannt, mit DTS:X einen ähnlichen Standard zu veröffentlichen. Genauere Information blieben aber längere Zeit aus. Inzwischen gibt es zumindest ein paar mehr Details: Bei DTS:X handelt es sich um ein neues Tonformat, das ebenfalls auf Audio-Objekten basiert und somit nicht an eine bestimmte Anzahl an Lautsprechern gebunden ist.

Somit ähnelt DTS:X erst einmal stark dem Dolby-Atmos-ähnlichen Tonformat. Ein paar kleine Unterschiede gibt es aber doch, gleich mehr dazu. Zunächst geht es für DTS darum, möglichst viele Studios von der neuen Technik zu überzeugen. Denn das Rennen um den marktführenden Sound-Standard wird über den verfügbaren Content entschieden, sprich Filme mit entsprechender Tonspur. Die großen Studios werden deshalb schon jetzt mit entsprechender DTS:X Software versorgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die großen Studios auf diesen Zug aufspringen, ist hoch, denn der Vorgänger DTS-HD war weit verbreitet.

DTS:X vs. Dolby Atmos – wer macht das Rennen?

Dolby Atmos hat allerdings ein gutes Jahr Vorsprung. Denn während die erste DTS:X-taugliche Hardware erst Mitte bis Ende dieses Jahres auf den Markt kommen wird, gibt es entsprechende Dolby-Atmos-Hardware schon jetzt. Auch Filme mit Dolby Atmos gibt es schon, wenngleich das Angebot noch sehr überschaubar ist. Weiterer Vorteil für Dolby Atmos: In den großen Kinos ist der Standard schon länger verfügbar, ermöglicht Interessierten also schon vorab einen Einblick in die moderne Technik. Doch auch DTS:X soll in die großen kommerziellen Kinos kommen. Und das könnte dank der systemübergreifenden Kompatibilität von DTS:X auch relativ schnell gehen.

Denn DTS:X-Systeme legen nicht genau fest, wie viele oder welche Art von Lautsprechern überhaupt benötigt werden. Maximal werden es im Heimkino allerdings 11.2 Kanäle auf bis zu 32 Lautsprecherpositionen sein, abhängig vom verwendeten AV-Receiver. Im Grunde kann DTS:X dann auch an Dolby-Atmos-optimierten Lautsprechern wiedergegeben werden. Nicht einmal die bei Dolby so angepriesenen Deckenlautsprecher sind notwendig (aber empfohlen), um DTS:X nutzen zu können – es genügt auch schon ein herkömmliches 5.1-System, um eine Klangverbesserung wahrnehmen zu können. Vor allem die Übergänge zwischen den einzelnen Lautsprechern sollen bei beweglichen Klangobjekten weitaus fließender sein. Generell gibt es bei DTS:X keine vom Hersteller vorgeschriebene Lautsprecherpositionierung. Wer will, kann die Lautsprecher weitgehend frei im Raum verteilen.

Das allerdings sehen Experten kritisch, gab es doch schon bei Dolby Atmos im Heimkino erst den richtigen 3D-Sound, nachdem die Lautsprecher ordentlich im Raum und an der Decke verteilt worden waren. Bleibt abzuwarten, wie sich DTS:X im Heimkinobereich schlagen wird. Eine weitere positive Eigenschaft von DTS:X ist die getrennte Verwaltung von Stimmen in einem Film. „Dialog Control“ heißt das Ganze; es ermöglicht , lediglich den Pegel der Stimmen innerhalb eines Filmes anzuheben. Das könnte sich gerade im Heimkino als überaus praktisch erweisen.

DTS:X behandelt auch Dialoge als Klangobjekt

Besonders wer einen Film im Originalton sieht, wird feststellen, dass die Dialoge im Verhältnis zu den Umgebungsgeräuschen relativ leise sind. Das kann schnell damit enden, dass man die Lautstärke anhebt, laute Actionszenen im Film dann aber als viel zu laut wahrgenommen werden. Zudem sind die Sprachdialoge dann nicht mehr nur an den Center-Speaker gebunden, sondern können wie alle anderen raumbasierten Klangobjekte verschoben werden. Somit kann die Stimme einer Person auch von Links oder Rechts kommen, befindet sich diese an der entsprechenden Stelle im Bild. Dolby Atmos bietet aktuell nichts Vergleichbares zur DTS:X „Dialog Control“ an.

Wie Dolby Atmos ist DTS:X abwärtskompatibel und wird auch von einem älteren Surround-System problemlos wiedergegeben, sollte sich eine Blu-ray-Disc mit DTS:X-Tonspur im Laufwerk befinden. Bis es die ersten AV-Receiver mit DTS:X geben wird, kann es noch etwas dauern. Ihre Unterstützung haben aber schon einige namhafte HiFi-Hersteller bestätigt, beispielsweise Yamaha, Denon, Marantz, Onkyo und Pioneer. Frühester denkbarerer Termin für die ersten AV-Receiver, die von Haus aus mit DTS:X kommen, ist der Spätsommer oder Herbst dieses Jahres. Auch das Nachrüsten per Firmware-Update haben zum Beispiel Marantz und Denon angekündigt. Allerdings bezieht sich das nur auf das aktuelle Spitzenmodell AVR-X7200W und die Vorstufe AV8802.

Fazit

Mit DTS:X steht ein ernstzunehmender Konkurrent für Dolby Atmos in den Startlöchern. Im Grunde handelt es sich dabei um ein sehr ähnliches System, mit kleinen aber feinen Unterschieden, wie etwa der „Dialog Control“. Wer das Rennen machen wird, kann man jetzt noch nicht sagen und hängt auch von der Wahl der großen Filmstudios ab. Ein mögliches Szenario ist, dass sich beide Formate etablieren werden und der Markt unter den Platzhirschen Dolby und DTS aufgeteilt wird. Ähnlich wie bei den jeweiligen Vorgängerformaten, die heute beide zur Grundausstattung eines jeden AV-Receivers gehören. Denon hat bereits einen AV-Receiver angekündigt, der von Haus aus beide Formate unterstützen wird. Solche Geräte sind für Frühentschlossene momentan die beste Lösung.

Titelbild: © By DTS (Transferred from en.wikipedia) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Teufel Blog Redaktion

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