FLAC-Player – HiFi in der Hosentasche

Zuletzt haben wir hier die Geschichte der MP3-Player nachgezeichnet und mussten dabei feststellen, dass sich die Hochzeit der mobilen MP3-Player ganz langsam, aber sicher dem Ende neigt. Schuld daran haben hochauflösende und vor allem sogenannte verlustfreie Musikformate, allen voran das FLAC-Format. Sie werden immer beliebter, nicht mehr nur bei HiFi-Enthusiasten. Infolgedessen steigt auch die Nachfrage nach mobilen Musikabspielgeräten, die genau solche verlustfreien Musikdateien abspielen können. FLAC-Player und andere hochauflösende Musikplayer sind derzeit in aller Munde, nicht zuletzt weil ein gewisser Neil Young seinen Teil dazu beigetragen hat.

Neil Youngs Pono-Player

Der Pono-Player ist ein neuer mobiler Musikplayer, der sich vor allem eines auf die Brust schreiben möchte: Die Musik soll beim Hörer so ankommen, wie es vom Musiker gewünscht ist. Pono ist übrigens hawaiianisch und bedeutet „Gerechtigkeit“. Die bisherige Vorgehensweise der digitalen Musikwelt fand Pono-Vater Neil Young nämlich überhaupt nicht gerecht. Digitale Musik klang für ihn schon mit der Einführung der CD nicht mehr so, wie er das noch von früher kannte – als ob man Musik Unterwasser hören würde. Über die Jahre hätte man sich immer tiefer unter Wasser begeben und mit der MP3 dann endlich den Grund erreicht.

Nun möchten Neil Young und sein Team die Musikliebhaber endlich von diesen Wassermassen befreien, und den niemals sterbenden Rock’n’Roll wieder so klingen lassen wie damals. Gelingen soll das nun mit dem Pono-Player, der in den USA bereits für 399 beziehungsweise 499 Dollar verkauft wird. Zeitgleich zum Verkaufsstart ging auch die Plattform Pono Music an den Start, eine Art Spotify in verlustfreier Audioqualität. Für eine Mitgliedschaft will Pono Music satte 25 Dollar Dollar im Monat haben, Spotify nur rund 10 Dollar, dafür ist die Klangqualität nicht zu vergleichen. Für Audiophile: Pono Music bietet FLAC-Dateien in 24 Bit und 192kHz, eine CD hat lediglich 16 Bit und 48kHz zu bieten.

Pono PlayerWährend sich einige also schon längst mit einem FLAC-Player in CD-Qualität zufrieden gegeben hätten, setzt der Pono-Player nochmal einen drauf. Im Grunde ist aber auch der Pono-Player „nur“ ein FLAC-Player, eben ausgelegt auf den sehr hochauflösenden Musikdienst Pono-Music. Neben FLACs spielt der Pono-Player aber auch noch MP3-, WAV-, AIFF- und AAC-Dateien ab. Der interne Speicher beträgt 64 Gigabyte und lässt sich per Micro-SD-Karte um weitere 128 Gigabyte erweitern. Dabei sollte man aber beachten, dass solch hochauflösende FLACs auch wesentlich mehr Speicher benötigen, als eine MP3- oder AAC-Datei. Wann der Pono-Player nach Deutschland kommt, ist derzeit noch unklar.

Sony’s neue Walkman-Generation

Auch Sony, die Mutter des portablen Musikplayers, will im Segment der FLAC-Player mitmischen und hat mit dem Walkman NWZ-ZX2 ein echtes Flaggschiff vorgestellt. Auf dem Datenblatt zeigen sich schon mal erste Gemeinsamkeiten mit dem Pono-Player: Auch der Walkman gibt FLAC-Dateien in 24 Bit und 192kHz wieder. Allerdings ähnelt der neue Walkman optisch eher einem Smartphone, und zwar einem sehr hochwertigen. Das darf man bei einem Preis von rund 1.200 Dollar allerdings auch erwarten. Auch das Android-Betriebssystem ähnelt dem eines Smartphones und ist vielleicht nicht erste Wahl für Musikliebhaber. Dafür werden dank des Betriebssystems viele verschiedene Musikservices wie Spotify und Co. unterstützt.

Der nur rund halb so teure Pono-Player ist natürlich auf Pono-Music beschränkt und geht allein von der Handhabung in eine andere Richtung. Sonys Luxus-FLAC-Player ist da schon um einiges flexibler als der Pono-Player und spielt auch Videos ab. Auch wenn er darauf ursprünglich nicht ausgelegt ist, dürfte wegen des Android- Betriebssystems auch einiges mehr möglich sein. Zu kaufen gibt es den neuen Walkman derzeit noch nicht, dafür seinen Vorgänger, den NWZ-ZX1. Ein Verkaufsstart des NWZ-ZX2 im Laufe des Jahres erscheint aber sehr wahrscheinlich.

Sony WalkmanDer Walkmann bekommt mit dem NWZ-ZX2 bald einen würdigen Nachfolger.

Before it was cool

Wer jetzt aber aufgrund des aktuellen Wirbels um FLAC-Player glaubt, dabei handle es sich um etwas Neues, liegt falsch. Mobile FLAC-Player gibt es schon seit etwa 10 Jahren. Zwar kamen die ersten Modelle nicht an die sehr hohe Qualität des Pono-Players und des neusten Walkmans heran, doch auch sie waren in der Lage, FLAC-Dateien abzuspielen. Allerdings war die Nachfrage nach solchen Geräten einfach zu klein, was sich inzwischen etwas geändert hat. Mit der Verbreitung der FLAC-Datei auf privaten Rechnern innerhalb der letzten drei Jahre, stieg natürlich auch die Nachfrage nach entsprechenden Abspielgeräten für Unterwegs.FLAC-Player FiiO X3

Bereits im Sommer 2013 begann die Chinesische Firma FiiO Electronics Technology ihren FLAC-Player FiiO X3 zu vermarkten. Bis heute sind mit dem X1 und dem X5 zwei weitere Geräte dazugekommen. Vor allem der X1 ist aufgrund seines sehr niedrigen Preises von 99 Dollar eine kleine Revolution gewesen und zielte erstmals auf den Massenmarkt ab. Alle FLAC-Player der FiiO- X- Serie spielen wie Pono-Player und Walkman FLAC-Dateien bis zu 24 Bits bei 192kHz ab. Der X5 konnte in einem Test der amerikanischen Tech-Seite CNET gut Kritiken einheimsen. Im direkten Vergleich zu einem iPod Classic mit der gleichen ALAC-Musikdatei klang der der X5 sogar wesentlich besser.

Auch iPods sind Lossless-Player

Richtig gelesen, auch Apples iPods sind Lossless-Player und wie wir alle wissen, gibt es die schon eine ganze Weile. Zwar sind sie keine FLAC-Player, unterstützen dafür aber das sehr ähnliche ALAC-Format. Das steht dem FLAC-Format rein qualitativ in nichts nach und bietet ebenfalls bis zu 24 Bits bei 192kHz. Zwar haben einige Tester schon festgestellt, dass der iPod seine ALAC-Dateien nicht wie ein absoluter High-End-Player wiedergibt, dafür ist er sehr verbreitet und teilweise weitaus günstiger zu haben als die Konkurrenten. Wer zu Hause also noch einen iPod hat, könnte erstmal damit ausprobieren, ob er generell Gefallen an Lossless-Formaten unterwegs findet.

HiFiMan HM-901 – bis dato der beste Klang

Auch den FLAC-Player HM-901 von HiFiMan gibt es schon seit rund einem Jahr. Er konnte die meisten Tester voll und ganz überzeugen – zumindest was die Klangqualität angeht. Der HiFiMan kostet aktuell 999 Euro und spielt so ziemlich jedes erdenkliche Musikformat ab. Er kann außerdem als Digital-Analog-Wandler in eine bestehende HiFi-Kette integriert werden. Das und der makellose Klang würden den HiFiMan HM-901 eigentlich zum FLAC-Player erster Wahl machen, wäre da nicht die etwas holprige Bedienung. Aber man kann eben nicht alles haben.

Kopfhörer nicht vergessen

Natürlich benötigt man für jedes mobile Musikabspielgerät ein paar Kopfhörer. Doch gerade bei so qualitativ hochwertigen Spielern wie den FLAC-Playern kommt auf es ganz besonders auf die Qualität der Kopfhörer an. Die mitgelieferten Ohrstecker seines Smartphones sollte man hier zur Seite legen. Zwar naheliegend, aber nicht selbstverständlich: So gut das digitale Musikformat FLAC auch sein mag, beim Hörer kommt dann doch nur das an, was der Kopfhörer auch abbilden kann. Zu empfehlen sind vor allem hochwertige geschlossene Kopfhörer, sogenannte On-Ear Kopfhörer. Wer diese aus Platzgründen nicht mit sich führen kann oder möchte, findet natürlich auch entsprechend hochwertige In-Ear-Kopfhörer. Egal aber für welche Art Kopfhörer man sich entscheidet, sie sollten in der Lage sein alle Nuancen des Klanges, erzeugt aus FLAC Formaten wiederzugeben.

Fazit

FLAC-Player sorgen ganz besonders jetzt, aber im Grunde schon seit ein paar Jahren für Furore auf dem HiFi-Markt. Wer will, findet inzwischen eine gute Auswahl an FLAC-Playern, die das Warten auf den Pono-Player oder Sony’s neuesten Walkman überflüssig machen. Allerdings sollte sich der Käufer darüber im Klaren sein, dass man hier nicht wirklich günstig weg kommt. Dem Musikpuristen ist das sicherlich egal, der Generation iPod weniger. Aber auch sie wird durch Modelle wie den FiiO X1 mit seinem niedrigen Einstiegspreis bedient. Ebenso könnte der Pono-Player sowohl die alte, als auch eine jüngere Generation ansprechen. Denn vor allem der Pono-Player hat eines, was die meisten anderen nicht haben: Eine exzellente Marketing-Strategie und ein individuelles Design. Dazu kommt die Musikplattform Pono-Music, die das Paket komplettiert und ein wenig an die legendäre Kombi von iPod und iTunes erinnert.

Titelbild: © Maurizio Pesce „Pono Player“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com

Bild1: © Maurizio Pesce „Pono Player“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com

Bild2: © Edvvc „Sony WM-D6C“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com

Bild3: © By Gmhofmann (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

FLAC-Player – HiFi in der Hosentasche
3.67 (73.33%) 6 votes

  1. Hannes Partsch
    08. Jan. 2017, 16:44

    Leider steht im Artikel nicht drin, was nun den großen Unterschied zwischen FLAC-Playern und den iPODs ausmacht, wo doch beide mit 192kHz und 24 bit arbeiten. Noch dazu, wo das ALAC-Format dem FLAC-Format offensichtlich in nichts nachsteht. Das zu erfahren wäre doch eine wesentliche Information.
    Meine Meinung zu dem Ganzen ist jedoch die: Es mag sein, daß Puristen da und dort – im direkten Vergleich wohlgemerkt – noch etwas heraushören. Das schwächste Glied in der Kette ist aber das menschliche Gehör. 20 kHz hören Kinder und ev. noch Jugendliche (wenn sie sich in den Diskos nicht eh schon das Gehör ruiniert haben). Als Erwachsener und schon etwas älterer Mensch muß man froh sein, wenn 16 kHz noch zu hören sind. Daher dünkt mich die Aussage des Neil Young abgehoben, wenn er meint, daß sich die klassische CD wie „unter Wasser“ anhört. Natürlich ist das Bessere meist der Feind des Guten, aber ich bin überzeugt davon, daß von 100 Leuten vielleicht 1 den Unterschied zwischen einer 44,1kHz/16bit Samplingrate und einer 192kHz/24 bit Samplingrate heraushört.
    Wo es sehr wohl einen Unterschied in der Qualität gibt, der auch mitunter hörbar ist, das ist der Unterschied zwischen mp3-codierten Musikstücken und Musikstücken auf der klassischen CD, denn irgendwo muß sich die gewaltige Datenreduktion auf einer mp3-Datei bemerkbar machen.
    Daher noch och ein Wort zum „verlustfreien“ Verfahren:
    Jedes Samplimg eines analogen Signals ist verlustbehaftet. Je höher die Samplingrate, umso geringer ist dieser Verlust. Auch wenn die D/A-Wandlung über noch so raffinierte Filter erfolgt, ein geringer Verlust ist immer da, allerdings kaum oder nicht hörbar! Der erste Verlust entsteht bei der A/D-Wandlung, der zweite bei dessen Umkehrung. So gesehen wäre die klassische, analoge Vinylplatte der ideale Tonträger, wären da nicht andere, störende Effekte. Aber das ist eine andere Geschichte und mit Puristen auch nicht diskutierbar.

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