Die Raumakustik – Innenarchitektur meets HiFi

Im vorangegangenen Artikel haben wir hier aufgezeigt, wie sich Schallwellen in den eigenen vier Wänden verhalten. Wird man ihrer gezielten Ausbreitung nicht Herr und überlässt die Raumakustik gänzlich dem Zufall, dann sind meist unangenehme Störgeräusche die Folge. Wer schon mal samt seiner HiFi-Anlage umgezogen ist, wird vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass es in der neuen Wohnung einfach nicht mehr so klingt wie zuvor. Und das, obwohl man exakt dieselben Komponenten verwendet. Grund dafür ist die veränderte Raumakustik, die ein neuer Raum mit sich bringt. Und davon abgesehen: Wenn der Einzug noch nicht so lange her ist, befindet sich die HiFi-Anlage zu Beginn ja vielleicht auch noch in einem weitgehend kahlen Raum.

Aber sogar bereits eingerichtete Zimmer bringen einen ganz neuen Raumklang mit sich und können unter Umständen auch eine schlechte Raumakustik besitzen. Vor allem dann, wenn das Thema für den HiFi-Anlagen-Besitzer noch Neuland ist. Deshalb erläutern wir an dieser Stelle ein paar grundlegende Dinge der Raumakustik. Darüber hinaus zeigen wir anhand praxisnaher Beispiele, wie man die Raumakustik verbessern kann. Im Gegensatz zu den Komponenten einer HiFi-Anlage kann man hier schon durch eine verhältnismäßig kleine Investition viel erreichen. Zwar muss man dabei oft einen Kompromiss zwischen optischer und klanglicher Ästhetik eingehen, aber schon mit herkömmlichen Einrichtungsgegenständen und der optimalen Positionierung der Lautsprecher lässt sich einiges verbessern.

Das Stereodreieck – so stellt man Lautsprecher auf

Bevor man sich mit der Raumakustik seines Zimmers beschäftigt, sollte man sicherstellen, dass die Lautsprecher richtig platziert sind. Im Falle von Stereolautsprechern kann man sich hier am sogenannten Stereodreieck orientieren. Dieses besagt, dass sich je ein Lautsprecher sowie der Hörer selbst an den Spitzen eines gleichschenkligen Dreiecks befinden sollten. Zudem sollten die Boxen nicht unmittelbar an der Wand stehen, sondern nach hinten und zur Seite etwas Platz haben – etwa ein halber bis ein Meter gilt als grober Richtwert.

Auch für 5.1-Heimkinoanlagen kann das Stereodreieck als Grundlage herhalten. Der Center-Speaker sollte dann mittig zwischen den beiden Front-Lautsprechern positioniert werden. Zur Ausrichtung der Rear-Lautsprecher kann ebenfalls das Stereodreieck verwendet werden – aus Platzgründen ist das aber oftmals nicht mehr exakt gleichschenklig. Mithilfe der Kalibrierungsfunktion des AV-Receivers lässt sich das aber wieder austarieren. Wer Musik über eine 5.1 Anlage wiedergeben möchte, sollte ich am sogenannten ITU-Kreis orientieren (unten abgebildet).

Skizze ITU-Kreis

Die Nachhallzeit und ungewollte Resonanzen

Unter anderem mithilfe der Nachhallzeit kann die Akustik eines Raumes definiert werden. Sie ist überwiegend beim Bau und der Einrichtung großer Konzertsäle oder Vorlesungssäle wichtig, kann aber auch dem ambitionierten HiFi-Jünger helfen. Sie definiert die Zeit, die vergeht, bis der Schallpegel im Raum um 60 dB abgefallen ist. Dieser Zeitraum sollte also so klein wie möglich sein, ansonsten würde ein ungewollter Hall-Effekt entstehen. Im Wohnraum sollte man hier eine Nachhallzeit von 0,3 bis 0,4 Sekunden anvisieren – wobei es sich hierbei natürlich um Optimal-Werte handelt.

Die Nachhallzeit kann mit einem Mikrofon und der passenden Software gemessen werden. Entsprechende Apps gibt es inzwischen sogar für Smartphones. Wem das zu viel Aufwand ist, der kann es auch einfach mit Klatschen versuchen. Tatsächlich lässt sich durch In-die-Hände-Klatschen relativ gut feststellen, ob der Raum zu sehr hallt bzw. ungewollte Resonanzen oder Raummoden verursacht. Dabei sollte auf herausstechende Rückwürfe sowie Flatter- und Resonanzgeräusche geachtet werden. Mit dem eigenen Gehör lassen sich die Quellen dieser Störgeräusche recht einfach orten.

Die Raumakustik verbessern mit Einrichtungsgegenständen

Generell lässt sich auch ohne genaue Messungen sagen, was mehr und was weniger vorteilhaft im Sinne einer gelungenen Raumakustik ist. Kahle Wände sind, wie schon angedeutet, Gift für die Raumakustik. War die Einrichtungsästhetik vor 30 Jahren und mehr noch zuträglich für die Raumakustik, findet man heute selbst in fertig eingerichteten Wohnungen viele glatte Oberflächen vor. Das wiederum produziert meist zu viele Schallreflexionen, kann aber durch den gezielten Einsatz von Teppichen und anderem Mobiliar reduziert werden. Schon ein Teppich vor den Lautsprechern kann als Bodenabsorber Schallreflexionen vermindern.

Wer sein Sofa nicht ganz an die Wand schiebt, sondern einen halben Meter Platz lässt, hat damit bereits einen weiteren Schallabsorber geschaffen. Ebenso können Vorhänge als Schallabsorber dienen – je größer, desto besser. Sie verdecken außerdem die Fenster, die wiederum eine ungünstige Reflexionsfläche darstellen. Zudem müssen Vorhänge nicht immer direkt vor einem Fenster hängen, sondern können auch einfach so an einer kahlen Wand angebracht werden. Alternativ kann diese Wand aber auch mit einem CD- oder Platten-Regal als Diffusor bestückt werden.

Eingerichtetes WohnzimmerÜber Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, dennoch sollte dieses Wohnzimmer eine vergleichsweise gute Raumakustik aufweisen.

Die Raumakustik verbessern mit Absorbern, Diffusoren und Segeln

Neben den herkömmlichen Einrichtungsgegenständen kann der HiFi-Enthusiast auch zu professionelleren Hilfsmitteln greifen. Ein Punkt, der hier bisher noch nicht behandelt wurde, ist die Decke, welche sich durch Möbel natürlich nur schwer beeinflussen lässt (der Schwerkraft sei Dank!). Hat man den Anspruch, auch an der Decke die Reflexionen gering zu halten, muss man meist zu professionellen Helfern greifen. In Konzertsälen kommen hier beispielsweise sogenannte Deckensegel zum Einsatz.

Deckensegel der Berliner PhilharmonieDie gibt es für den Heimgebrauch selbstverständlich auch eine Nummer kleiner. Sie sind das effektivste Mittel, um Deckenreflexionen entgegenzuwirken. Glücklicherweise gibt es Deckensegel in den unterschiedlichsten Größen, Formen und Farben, sodass sie nicht unbedingt der Raumästhetik schaden müssen – die aber ist ja bekanntlich ohnehin vom eigenen Geschmack abhängig. So kann auch keinesfalls grundsätzlich gesagt werden, dass der Raumakustik zuträgliche Elemente der Ästhetik schaden. Inzwischen gibt es unzählige Hersteller, die sich bemühen, diese Elemente so dezent wie möglich zu gestalten.

Auch wenn man sie heute noch in so manchem Band-Proberaum antrifft: Leere Eierkartons, die als schalldämmendes Element dienen, muss sich heute niemand mehr in sein Wohnzimmer hängen. Schalldämmende und perforierte Schaumstoffmatten sehen da schon besser aus und leisten deutlich mehr. Wirklich schön sind aber auch sie nicht. Eine ansehnlichere Alternative sind flache Absorber an der Wand, die im Prinzip wie ein ungerahmtes Bild auf Leinwand aussehen. Sie sind in den preiswerteren Varianten mit einfarbigem Stoff bespannt, wer möchte, kann sie sich aber auch bemalen bzw. bedrucken lassen.

Ein Diffusor bewirkt übrigens, dass der auftreffende Schall nicht einfach gespiegelt wird, sondern in alle möglichen Richtungen des Raumes wieder ausgesandt wird. Deshalb ist es wichtig, dass die einzelnen Elemente des Diffusors unterschiedliche Flächen aufweisen und mal einen Hohlraum bieten und mal nicht.

Plattenregal als DiffusorAuch ein Regal das teilweise befüllt ist, kann als Diffusor dienen, wenn der Schall darauf trifft.

Raumakustik messen mit dem Raumakustik-Rechner

Um die eigene Raumakustik zu messen, findet man im Internet einige Browser-basierte Raumakustik-Rechner, z. B. diesen hier. Sie liefern schon relativ brauchbare Anhaltspunkte, wie es um die Raumakustik der eigenen vier Wände bestellt ist. Allerdings sollte klar sein, dass diese Raumakustik-Rechner mehr zur Orientierung gedacht und vor allem bei der grundsätzlichen Planung hilfreich sind. Wer wirklich genaue Daten haben möchte, der sollte mit Mikro und Software selbst die Raumakustik messen. Und wenn man sich selbst in diesem Bereich wenig auskennt, aber dennoch einen erstklassigen Raumklang erleben möchte, dann sollte man definitiv einen Profi kontaktieren.

Fazit

Die Raumakustik zu Hause zu verbessern, ist wesentlich leichter, als man zunächst annehmen könnte. Grundlegende Anforderungen, die der Raum für einen guten Klang vorgibt, lassen sich bereits vollkommen ohne Hilfsmittel, sondern allein durch die richtige Positionierung der Lautsprecher und Möbel erfüllen. Wer mehr Verbesserung möchte, muss zu professionelleren Mitteln wie schalldämmenden Matten, Absorbern, Deckensegeln oder Diffusoren greifen. Das Anbringen solcher Elemente kann dann aber schnell mit dem innenarchitektonischen Anspruch kollidieren. Ob einem die Einrichtung, die Raumakustik oder die ideale Kombination aus beidem besonders wichtig ist, muss am Ende jeder selbst für sich entscheiden.

Titelbild: © Marcel Weiß „Vinyl ist…“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com
Bild 1: © MalteRuhnke at the German language Wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons
Bild 2: © MPoshSurfside.com „Traditional Elegant Living Room“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com
Bild 3: © By Photo: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [Public domain], via Wikimedia Commons
Bild 4: © Marco Becerra „Vintage Hi Fi“ Bestimmte Rechte vorbehalten. Quelle: Flickr.com

Die Raumakustik – Innenarchitektur meets HiFi
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Neueste Beiträge

  1. Sarah
    25. Jul. 2017, 15:24

    Sehr interessanter Artikel. Dass es keine schönen Schallabsorbierungs-Platten gibt, muss ich jedoch wiederlegen. Die Paneele in diesem Artikel finde ich sogar ziemlich stylisch: http://www.weissmann.at/blog/2017/06/18/perfekte-raumakustik-trifft-auf-italienisches-design/

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Teufel Blog Redaktion

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