Das Auto rast durch die Kurve – und dein Kinositz legt sich mit hinein. Bei der nächsten Explosion rüttelt es, beim Sturm weht dir Wind entgegen. Immersive Kinoformate erweitern das Filmerlebnis um eine körperliche Komponente. Was bei Attraktionen in Freizeitparks schon länger dazugehört, findet sich mit 4DX und D-BOX inzwischen auch im regulären Kino.
4DX: Wie Achterbahn fahren im Kinosaal
3D ist schnell erklärt: Ein stereoskopisches Bild erzeugt räumliche Tiefe. Das Bild oder der Film erscheint dadurch dreidimensional, kurz: 3D. Während Filme mit speziellen 3D-Brille zu gucken, heutzutage fast in jedem Kino möglich ist, kennt man 4D-Filme vor allem aus Freizeitparks.
Im 4D-Actionkino des Filmparks Babelsberg bewegen sich zum Beispiel die Sitze passend zum Geschehen, während Windböen und Soundeffekte die Action begleiten. Der Europa-Park Rust zeigt im Magic Cinema 4D den rund 15-minütigen Animationsfilm SNORRI 4D – Catch Me If You Candy. Bei der interaktiven Unterwasser-Verfolgungsjagd weht und spritzt es passend zum Geschehen auch im Saal (hier ein Teaser).
Das Format 4DX basiert nun auf einer relativ simplen Idee: Warum nicht Bewegung und zusätzliche Sinneseffekte – wie bei den Freizeitpark-Attraktionen – mit regulären Kinofilmen kombinieren? Das südkoreanische Unternehmen CJ 4DPLEX entwickelte die entsprechende Technologie, 2009 wurde 4DX erstmals in einem Kino der CGV-Kette in Seoul eingesetzt.
Die Basis bilden spezielle Motion Seats. Sie bewegen das Publikum passend zur Szene, etwa durch Kipp-, Neige- oder Vibrationsbewegungen. Im Saal kommen weitere Effektmodule hinzu. Je nach Szene erzeugen sie Wind, Regen oder Sprühwasser, Dampf, Nebel, Qualm, Schnee und sogar Düfte.
Für jeden Film entsteht eine eigene Effektspur, die Bewegungen und Umgebungseffekte exakt auf die Handlung abstimmt. Fährt auf der Leinwand ein Auto über eine holprige Straße, zeichnet der Sitz die Erschütterungen nach. Bei einer Sturmszene kommt Wind hinzu, bei einer großen Welle unter Umständen Sprühwasser. Im Filmpalast Kassel sind dafür nach Angaben des Kinos bis zu 25 verschiedene Effekte integriert.
Wo gibt es 4DX-Kinos in Deutschland?
Aktuell gibt es vier Kinos in Deutschland mit 4DX-Sälen:
Dazu kommen vier Kinos in Österreich:
- Hollywood Megaplex Gasometer in Wien
- Hollywood Megaplex St. PöltenIm neuen Tab öffnen
- Hollywood Megaplex PlusCity in PaschingIm neuen Tab öffnen bei Linz
- Metropol Kino in InnsbruckIm neuen Tab öffnen
In der Schweiz sind es derzeit bereits ein Dutzend 4DX-Kinos:
- Arena Cinemas Stücki ParkIm neuen Tab öffnen in Basel
- Pathé WestsideIm neuen Tab öffnen in Bern
- blue Cinema ChurIm neuen Tab öffnen
- Pathé DietlikonIm neuen Tab öffnen in Zürich
- Pathé Mall of SwitzerlandIm neuen Tab öffnenin Ebikon (Luzern)
- Arena Cinemas FribourgIm neuen Tab öffnen
- Arena Cinemas La Praille in Genf
- Pathé FlonIm neuen Tab öffnenin Lausanne
- blue Cinema Luzern
- blue Cinema CinedomeIm neuen Tab öffnen in St. Gallen / Abtwil
- Arena Cinemas SihlcityIm neuen Tab öffnen in Zürich
- blue Cinema AbatonIm neuen Tab öffnen in Zürich
D-BOX: Hier wackelt der Kinositz
Hinter D-BOX steckt ein kanadischer Anbieter, der sich seit Ende der 1990er-Jahre mit haptischer Bewegungstechnik beschäftigt. Im Kino kam das System ab 2009 zum Einsatz; zu den frühen Produktionen gehörte Fast & Furious. Heute sind D-BOX-Sitze in Kinos in mehr als 40 Ländern installiert. (Auch der Europapark Rust setzt bei Snorri auf D-BOX-Sitze.)
Die Immersion entsteht hierbei allein über speziell bewegbare Kinositze. Windmaschinen, Sprühwasser, Nebel oder Düfte im Kinosaal gibt es nicht. In den Motion Seats von D-BOX arbeiten mehrere Aktuatoren, also motorisierte Antriebselemente, die Bewegungen, Vibrationen und unterschiedliche haptische Impulse erzeugen. Eine eigens zum Film erstellte Bewegungsspur steuert die Sitze passend zum Geschehen auf der Leinwand.
Dafür schauen sogenannte Haptic Designer den Film Szene für Szene und legen fest, wann und wie sich der Sitz bemerkbar macht. Bei einer Autofahrt kann er etwa Motorvibrationen übertragen, Beschleunigung und Kurven nachzeichnen oder bei einem Zusammenstoß einen kurzen Stoß erzeugen. D-BOX verfügt dafür nach eigenen Angaben über eine Bibliothek mit mehr als 65.000 Bewegungs-, Vibrations- und Textureffekten. Die Stärke des Erlebnisses lässt sich am Sitz individuell regulieren.
Wo gibt es D-BOX-Kinos in Deutschland?
D-BOX ist deutlich weiter verbreitet als 4DX: Aktuell sind bereits über 200 Kinos in mehr als 65 Städten mit den beweglichen Kinositzen ausgestattet. In Berlin kannst du D-BOX beispielsweise im Cineplex Alhambra in Wedding erleben. Vor allem die beiden großen Ketten Cineplex und KINOPOLIS haben in die Technik investiert:
- Cineplex: Aachen, Bremen, Dresden (Rundkino), Kassel, Leipzig, Mannheim, Neustadt an der Weinstraße, Passau, Soest und Warburg. In Aachen, Bremen, Neustadt oder Passau sind gleich mehrere Säle beziehungsweise Sitzreihen mit D-BOX ausgestattet.
- KINOPOLIS: Aschaffenburg, Bad Homburg, Bonn-Bad Godesberg, Darmstadt, Gießen, Hanau, Koblenz, Rosenheim, Sulzbach im Main-Taunus-Zentrum und Viernheim.
- CinemaxX: zum Beispiel Mülheim.
- Filmpalast: unter anderem Lüneburg und Zwickau.
- weitere Betreiber: etwa der Traumpalast Leonberg.
In Österreich gibt es aktuell rund 15 Kinos, die mit der D-BOX-Technologie ausgestattet sind, z.B. in Wien, Linz oder Innsbruck. Die Schweiz verfügt dagegen lediglich über 4 entsprechende Kinos, z.B. in Genf, Solothurn und Winterthur.
Heimkino von Teufel
Mehr Immersion für Augen und Ohren
Wer für mehr Immersion nicht gleich durchgeschüttelt werden möchte, findet im Kino noch andere Wege, tiefer in einen Film einzutauchen. Bei ScreenX beispielsweise wächst die Leinwand gewissermaßen über ihre Ränder hinaus: Zusätzliche Projektionen beziehen die Seitenwände des Kinosaals mit ein und erweitern das Sichtfeld auf bis zu 270 Grad. Gerade bei weiten Landschaften sieht das sehr beeindruckend aus. Wie das technisch funktioniert, erfährst du in unserem Beitrag über ScreenX und 270-Grad-Kino.
Dolby Atmos setzt noch einmal an einer anderen Stelle an: beim Klang. Das objektbasierte Audioformat kann einzelne Geräusche räumlich im Kinosaal platzieren und erweitert klassischen Surround-Sound um die Höhendimension. Ein Hubschrauber klingt damit nicht einfach nur „von hinten rechts“, sondern kann sich akustisch über deinen Kopf hinwegbewegen. Unsere Übersicht der Dolby-Atmos-Kinos in Deutschland zeigt dir, wo du das Format ausprobieren kannst.
Immersiver Filmsound für dein Heimkino

Bewegte Sitzmöbel und Wasserdüsen dürften zu Hause eher nicht in Frage kommen. Mit den Dolby-Atmos-Systemen von Teufel kannst du dagegen immersiven 3D-Sound vergleichsweise unkompliziert umsetzen.
▶ CINEBAR 22 für Dolby Atmos „5.1-Set“: Die 5.1-Soundbar unterstützt Dolby Atmos und DTS:X und lässt sich mit kabellosen Rear-Speakern zum 7.1-System erweitern.
▶ REFLEKT 2: Die Dolby-Atmos-Lautsprecher ergänzen dein bestehendes Heimkino um Höhenkanäle. Du kannst sie auf vorhandene Speaker stellen oder an der Wand montieren.
Dolby-Atmos-Systeme von Teufel
Aktuelle Filme für 4DX und D-BOX
Besonders Action-, Abenteuer- und Animationsfilme liefern reichlich Material für Bewegungs- und Vibrationseffekte. Bei vielen großen Produktionen überschneiden sich die beiden Systeme:
| Film | 4DX | D-BOX |
|---|---|---|
| Spider-Man: Brand New Day | ✓ | ✓ |
| Die Odyssee | ✓ | ✓ |
| Toy Story 5 | ✓ | ✓ |
| Vaiana | ✓ | ✓ |
| Minions & Monsters | ✓ | ✓ |
| Der Super Mario Galaxy Film | ✓ | ✓ |
| Evil Dead Burn | ✓ | ✓ |
Tipp: Auch Filmmusik kann dafür sorgen, dass wir uns in Räumen oder Epochen verlieren. Ein aktuelles Beispiel ist ebenfalls Die Odyssee: Komponist Ludwig Göransson verbindet dafür antike Instrumente wie Aulos und Lyra mit Synthesizern, Bronze-Gongs und ungewöhnlichen Klangquellen. Mehr dazu und zu weiteren großen Scores liest du in unserem Artikel „Historienfilme: Soundtracks, die Geschichte schrieben“.
Häufige Fragen zu 4DX und D-BOX
Bei 4DX ergänzen Wind, Wasser, Nebel oder andere Umgebungseffekte die beweglichen Sitze. D-BOX arbeitet ausschließlich mit Bewegung, Vibration und Haptik im Sitz.
Nicht ganz. 4DX bezeichnet ein konkretes Kinosystem für reguläre Spielfilme, während „4D-Kino“ häufig als Sammelbegriff für unterschiedliche Erlebnisformate mit beweglichen Sitzen und zusätzlichen Effekten verwendet wird.
5D-Kino ist kein einheitlich definierter technischer Standard. Je nach Anbieter können damit zusätzliche Sinneseffekte, stärkere Bewegung oder interaktive Elemente gemeint sein.
Grafik Titelbild: Wikimedia Commons, „4DX 2019 logo.svg“, Urheber: CJ 4DPLEX Corporation, Lizenz: Public Domain









