Das Kino zuhause – Tipps für die Beamer-Wahl

Wer  davon ausgeht, dass mit einem großen Fernseher das „Kino zuhause“ schon das Ende der Möglichkeiten darstellt, hat sich vermutlich noch nicht mit Beamern beschäftigt.

Denn wenn das Bild über einen Beamer so groß wird, dass es das gesamte aktive Gesichtsfeld dominiert, kann man regelrecht in den Film eintauchen.  Das geht am besten mit Beamer und einer speziellen Leinwand. Nachfolgend informiert unser Gastautor und Heimkino-Experte Raphael Vogt von lowbeats.de, auf welche Dinge man beim Aufbau eines Heimkinos mit Beamer und Leinwand achten sollte.  Viel Spaß, euer Teufel Blog Team.

Leinwand und Bildgröße

Ein gutes Heimkinobild spielt sich in Größenordnungen zwischen 2 und 4 Metern Breite ab. Da geht es mit den Definitionen schon los. Im Gegensatz zur TV-Welt rechnet man bei Projektion nicht mit der Diagonalen, sondern der Breite und dem Format. Aktuell sind zwei Formate für das Heimkino gängig: 16:9 (1,78:1) und CinemaScope 21:9 (2,35:1). Standard ist und bleibt 16:9, wie beim Fernseher. Wie groß man das Bild gestalten möchte, ist teils vom persönlichen Geschmack und teils von äußeren Umständen abhängig. Je besser der Projektor und je dunkler man das Kinozimmer gestalten kann, desto größer darf das Bild werden. Und das rechnet man stets in Relation vom Sitzabstand zur Leinwand aus. Näher als 1:1 ist nicht ratsam, man verrenkt sich den Hals. Kleiner als 2:1, also eine etwa 2 Meter breite Leinwand bei 4 Meter Sitzabstand macht auch keinen Spaß mehr.

Im Gegensatz zu einem großen TV-Gerät kann eine Projektion komplett verschwinden, wenn sie nicht benutzt wird, und einer Rollo-Leinwand ist es egal, ob sie vor einem Fenster, einem Schrank mitten im Raum oder einer leeren Wand herunter gelassen wird. Der Projektor hängt im gängigsten Fall ohnehin wie eine Lampe an der Decke.

Wer die Wahl hat, sollte zu einer Rahmenleinwand greifen, denn die bleibt auch nach Jahren plan und frei von Wellen. Bei einem Rollo, egal ob mit Motor oder manuell, sollte man ordentliche Markenware kaufen, am besten mit seitlicher Seilverspannung (Tab-Tensioned), um lange eine gute Planlage zu genießen statt Seegang im Filmbild.

Eine gängige Einsteigerlösung ist die Projektion auf eine weiße Zimmerwand. Das verschenkt aber reichlich Qualität, wenn die Wand nicht gerade perfekt glatt und mit matter Farbe gestrichen ist. Am besten verwendet man reine Pigmentfarbe aus dem Profi-Malerbedarf statt Wandfarbe aus dem Baumarkt, denn die beinhalten Füllstoffe und UV-Aufheller, die das Bild verfälschen. Es gibt aber auch diverse Anbieter für spezielle Leinwand-Farben, die in aller Regel – mit Grundierung und Oberlack sorgsam aufgetragen – der Qualität einer Tuchleinwand kaum noch nachstehen.

Ohne einen möglichst mattschwarzen Rahmen um das Bild, der Profi sagt Cache, verschenkt man subjektiven Kontrast. Jede gute Leinwand hat so etwas und das möglichst breit. Auch bei Eigenbau sollte man einen solchen Rand, am besten mit schwarzem Samt, vorsehen.

Bei professionellen Leinwänden gibt es einen Parameter, der ebenfalls sehr wichtig ist: den Gain. Diese „Verstärkung“ drückt das Verhältnis der Lichtreflexion in Relation zu einer perfekt matten Oberfläche aus, die jedes ankommende Licht in alle Richtungen gleich gestreut zurückwirft. Das entspricht Gain „1“ und sorgt für das gleichförmigste Bild. Eine gute Heimkinoleinwand sollte ein Gain von 0,9-1,3 haben. Ein höheres Gain bedeutet auf geradem Weg mehr Licht aber seitlich betrachtet entsprechend weniger. Eine Leinwand mit Gainfaktor 2 reflektiert doppelt so viel Licht gerade zurück, von der Seite ist das Bild aber folglich nur noch halb so hell und wirkt dadurch ungleichmäßig und unnatürlich. Es gibt mittlerweile viele Spezialleinwände, die Umgebungslicht mindern und daher den Kontrast im Filmbild steigern. Seriöse Lösungen hierfür sind aber teuer, billige verfälschen oft das Bild mehr als sie im Kontrast helfen. Gegebenenfalls ausprobieren!

Highendige Heimkinoprojektoren erlauben einen weiten Zoombereich plus horizontalen und vertikalen Lensshift. Foto: R. Vogt
Highendige Heimkinoprojektoren erlauben einen weiten Zoombereich plus horizontalen und vertikalen Lensshift. Foto: R. Vogt

Der Beamer

Auch beim Beamer aka Projektor gilt: zu billig gekauft ist rausgeschmissenes Geld. Wie beim Fotografieren ist auch beim Projektor das wichtigste und teuerste Bauteil das Objektiv. Und genau hieran kranken quasi alle billigen Projektoren. Man kann so weit gehen und behaupten, alles unter 1.000 Euro Neupreis macht keinen Spaß. Deren Objektive verzerren, sind spätestens zum Rand hin unscharf und generell kontrastarm. Lass Dich auch nicht von den verlockenden Zahlen verführen, mit denen Datenprojektoren für wenig Geld locken. Diese sind praktisch durch die Bank für die Filmwiedergabe ungeeignet, denn sie sind auf maximale Lichtausbeute gezüchtet, mit Kontrast und korrekter Farbwiedergabe haben die wenig am Hut.

Ein guter Heimkinoprojektor muss eine gewisse Gehäusegröße mitbringen, denn nur so lässt sich eine leise Kühlung realisieren. Super-kompakte Modelle nerven schnell durch ihre laute Ventilation. Und dann muss eben das Objektiv passen. Das heißt: Am geplanten Ort für die Aufstellung oder das Aufhängen des Projektors muss das Bild mit der Brennweite des Objektivs exakt auf die Leinwand gebracht werden können. Kein Zoom-Objektiv kann das Bild unbeschränkt vergrößern oder verkleinern. Ob Bildgröße und Platzierung miteinander vereinbar sind, lässt sich nur mit dem Datenblatt, gegebenenfalls der heruntergeladenen Bedienungsanleitung und dem Taschenrechner herausfinden. Und: Reize die Parameter nicht bis zum Äußersten aus! Denn jedes Bauteil, auch ein Objektiv, unterliegt Toleranzen.

Für ein knackscharfes Heimkinobild absolut tabu: Anwinkeln! Der Projektor muss absolut waagerecht stehen oder hängen und daher in Relation zur Leinwand in der richtigen Höhe angebracht werden können. Einfache Projektoren werfen das Bild mit einem statischen Offset und müssen daher auf eine ganz bestimmte Höhe, oft genau Leinwand-Ober- oder Unterkante, platziert werden, bessere Projektoren bieten einen Lensshift, mit dem sich das Bild in der Senkrechten, manchmal auch der Horizontalen, im gewissen Rahmen auf der Leinwandebene verschieben lässt. Auch die Lensshift-Verstellung sollte man nicht bis ins Letzte ausreizen. Außerdem wird bei zunehmendem Lensshift das Objektiv immer weiter am Rand benutzt, wo es unschärfer und dunkler wird. Man sollte gegebenenfalls ein anderes Projektormodell wählen oder die Platzierung der Leinwand verändern, bevor man die qualitätsmindernde digitale Trapezkorrektur eines Projektors verwendet, denn die kostet immens an Schärfe und kostbarem Licht und damit Kontrast.

deckenhalterung
Díe ultimative Deckenhalterung passt für alle Projektorn, bietet sicheres Einhängen und ultrafeine Justage aller Achsen. Foto: WS Spalluto

Gute Aufhängung, exakt platziert

Gerne wird übersehen, wie wertvoll eine gute Aufhängung für einen Projektor an der Decke ist. Wer hier am falschen Ende spart, braucht viele Hände, noch mehr Geduld und starke Nerven, bis der Projektor endlich sein Bild gerade und symmetrisch auf die Leinwand wirft. Billige Kardan- und Kugel-Gelenke kosten Stunden der Ausrichtung und oft bekommt das Bild einen Tag später dann doch Schlagseite. Gute Halterungen erlauben getrennte Montage an Decke und Projektor, ein sicheres Einhängen und anschließend eine getrennte Justage aller drei Achsen. Vorsicht: Nicht bei jedem Projektor ist der Schwerpunkt auch in der Mitte des Gehäuses.

Als optische Mitte gilt stets das Objektiv. Befindet sich dieses seitlich statt zentral am Projektor muss auch die Montage entsprechend versetzt eingerichtet werden, außer man kann das mit dem schon erwähnten Lensshift ausgleichen. Am einfachsten findest Du die präzise Mittelachse durch Triangulation mittels eines Fadens, ein langes Kabel tut es auch. Dieser muss vom Objektiv zur nächstgelegenen Leinwandecke exakt genauso lang sein wie zur gegenüberliegenden Ecke. Mit einem Bleistift kannst Du so ein Seilstück auch als Zirkel verwenden und von zwei Ecken mit gleicher Länge Bögen ziehen: Der Schnittpunkt ist die Mitte.

Erst neueste Kabel übertragen volle Ultra-HD-Auflösung mit voller Bandbreite, HDR und 40 Hertz. Foto: R. Vogt
Erst neueste Kabel übertragen volle Ultra-HD-Auflösung mit voller Bandbreite, HDR und 40 Hertz. Foto: R. Vogt

Gute Verkabelung

Eine Verkabelung braucht jeder Projektor: Strom. Schon daher macht es Sinn, einen Kabelkanal zum Beamer zu legen oder sich eine Steckdose in die Nähe legen zu lassen. Wichtig: Die muss das gleiche Massepotential haben wie der Rest des Heimkinos, also an derselben Sicherung hängen. Ansonsten holt man sich schnell eine nervige Brummstörung in den Heimkinosound. Von Funklösungen für HDMI raten wir ab. Zwar arbeiten viele Lösungen, gerade wenn sie direkt in den Projektor integriert sind, mittlerweile zuverlässig, aber eben nie so sicher und stabil wie eine direkte Verkabelung und sollten somit die Notlösung darstellen. Hinzu kommt eine weitere oft erhebliche Verzögerung der Bildwiedergabe, die nicht mit jedem AV-Verstärker vollständig zu kompensieren ist: Bild und Ton werden asynchron.

Da man ohnehin Strom zum Projektor bringen muss, ist es in praktisch allen Fällen auch möglich, ein HDMI-Kabel mit zu verlegen. Problem: HDMI ist eigentlich für kurze Strecken gedacht und kann in aller Regel nur mitsamt Stecker durch einen Kabelkanal gezogen werden. Der Kabelkanal muss also groß genug sein und um rechtwinklige Ecken lassen sie sich oft nicht zwingen. Entweder hat man einen Kanal, den man zur Verlegung öffnen kann oder man muss bei Unterputz-Lösungen entsprechende Rücksicht darauf nehmen. Das HDMI-Kabel selbst sollte, wenn es zukunftssicher sein soll, Highspeed-zertifiziert sein und garantierte 18 Gigabit pro Sekunde übertragen können.

Investitionen gut planen

Wer in das Thema Projektion investiert, plant oft sein Budget völlig falsch. In aller Regel halten Anfänger den Projektor selbst für den wichtigsten Baustein, das ist aber nur bedingt richtig. Der ist zwar mitentscheidend, aber eigentlich meist die kurzlebigste Komponente bei einer Projektion. Fans benutzen einen Projektor nur 1 bis 3, maximal 5 Jahre. Eine Leinwand aber hängt in der Regel 10 bis 20 Jahre im Heimkino. Das gleiche gilt für Halterungen und die Verkabelung. Wer hier zu Beginn spart, gibt später dafür noch mindestens zwei bis drei Mal sein hart verdientes Geld aus. Sinn macht es, bei Leinwand, Halterung und Kabel zu investieren und beispielsweise zunächst „nur“ einen guten (jungen) gebrauchten Projektor anzuschaffen, am besten geprüft und mit Garantie. Auch hier sei wie zu Beginn nochmals daran erinnert, dass ein gebrauchter Heimkinoprojektor mit leiser Kühlung und gutem Objektiv mehr Freude bringt als ein billiges neues Einsteigermodell.

Einstellung ist alles

Profis kalibrieren den Projektor, damit er wieder korrektes Bild zeigt und den Film so präsentiert, wie ihn der Regisseur auf seinem ebenfalls kalibrierten Studiomonitor abgenommen hat. Einsteigerprojektoren lassen sich oft gar nicht ausgewogen kalibrieren. Wer es nicht vom Profi einstellen lässt, sollte sich schlau machen, welche Werkseinstellung bei seinem Modell dem Videostandard am nächsten kommt. Meistens sind es die Modi, die „Natürlich“, „Movie“ oder „Film“ heißen. In aller Regel erkennt man diese Modi schon daran, dass die meisten sogenannten „Bildverbesserer“ bereits deaktiviert sind. Fast alle entspringen nämlich eher der Fantasie der Marketingabteilung, als dass sie tatsächlich das Bild verbessern. Wie sollte eine Wunderschaltung auch jedes nur erdenkliche Bild in Sachen Farbe, Schärfe oder Kontrast verbessern können, wenn dies Regisseur und Kameramann in wochen- oder monatelanger Arbeit mit Profigerät nicht geschafft (oder gewollt) haben. Wenn es solch eine Wunderfunktion gäbe, dann hätten die Profis die im Studio längst verwendet. Da ist also die Logik bereits falsch. Merke: Alles, was ungefragt und pauschal ein Bild „verbessert“, verfälscht in aller Regel das Bild eher als dass es wirklich nützt.

Der passende Sound für den Beamer:

Ultima 40 Surround - 5.1 home cinema set

Ultima 40 – 5.1


zu weiteren Infos

Consono 35 Mk3 - 5.1 Heimkinosystem

Consono 35 – 5.1


zu weiteren Infos

Füße hoch, Play drücken, genießen

Hat man alles einmal eingerichtet, sollte man den Spaß an der Sache nicht vergessen. Ob Movie, Konzert, Show oder Sportübertragung, ein Riesenbild transportiert einen emotional in das Geschehen hinein wie es kein Fernseher kann. Nur Live ist eben noch besser. Viel Spaß wünscht Raphael Vogt.

 

raphael-foto-dr-markus-rudolph

Unser Gastautor: Heimkino-Experte & THX-Guru Raphael Vogt von lowbeats.de

Das Kino zuhause – Tipps für die Beamer-Wahl
5 (100%) 5 votes

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen

Ihr Kommentar wird von einem Moderator überprüft, bevor er auf der Website erscheint.

Autor

Teufel Blog Redaktion

Teufel Blog Redaktion

Alles über Lautsprecher, Heimkino und HiFi-Trends. Zudem haben wir jede Menge praktische Tipps und Tricks für zu Hause.