Das visualisierte Gefühl von Lautstärke

Dezibel ist das Maß aller Dinge, wenn es um die Lautstärke geht. Die Wahrnehmung von Lautstärke ist allerdings bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Das macht sich spätestens beim Streit mit den Nachbarn über die Musiklautstärke bemerkbar – laut ist nicht für jeden gleich laut. Ein Easy-Listening-Hörer und ein Metalhead würden beim Gefühl für Lautstärke kaum auf einen Nenner kommen. Aber der Dezibel-Wert, abgekürzt dB, leistet genau das. Eine Dezibel-Tabelle vermittelt letztlich ein gemeinsames Verständnis der wahrgenommenen Schallgröße.

Bei einer dB-Skala muss man mit Begrifflichkeiten sehr genau sein, denn ein Ausdruck wie Lautstärke ist zu subjektiv. Die Maßeinheit dB kann die persönliche Empfindung von Lautstärke nicht wiedergeben. Deswegen ist die Überschrift dieses Artikels vielleicht etwas irreführend: Man spricht bei einer Dezibel-Tabelle nicht von der Lautstärke, sondern von Schallgröße. Das Empfinden für Lautstärke ist bei gleichem Schall längst nicht bei jedem Menschen (oder auch Tier) gleich. Die Schallgröße hingegen ist eindeutig bestimmbar. Übrigens: Der Thematik, wie Lautstärke individuell wahrgenommen und bewertet wird, widmet sich die Psychoakustik. Sie berücksichtigt neben dem physischen Schallpegel auch die Bandbreite der subjektiven Empfindungen bei der Wahrnehmung. Aber zurück zum Dezibel.

Wie viel ist eigentlich ein Dezibel?

Wer jetzt denkt: „Moment mal! Was ist eigentlich nochmal Dezibel?“, dem empfehlen wir unseren Blog-Artikel, der sich genau dieser Frage widmet. Zum allgemeinen Verständnis: dB ist keine physikalische Größe, die einen absoluten Wert ausdrückt. Dezibel zeigt immer nur das Verhältnis zweier Größen an und zwar im Verhältnis ein Zehntel (Dezi) zu einer Maßzahl (Bel). Das bekannteste Beispiel für den Einsatz von dB-Werten ist der Schalldruck. Im Falle von Musik misst also die Einheit Dezibel das Verhältnis von Musik zum Schalldruck. Die Ergebnisse kennen wir aus Dezibel-Tabellen: So kommen etwa die in Discos gemessenen 100 dB Lautstärke zustande. Nochmal zur Erinnerung: Zehn Dezibel mehr bedeutet beim Schalldruck bereits eine Verdopplung der Schallgröße. Ein Dezibel ist der Lautstärkeunterschied, den wir gerade noch hören können. Natürlich ist das nur ein Richtwert: Es wird Leute geben, die noch feinere Unterschiede hören können – am besten kann man sein Gehör einfach an der eigenen Anlage testen. Besitzt der Verstärker eine Lautstärke-Anzeige in dB, kann jeder sein eigenes Schallempfinden feststellen.

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Aber wieso verwendet man für die Angaben einer üblichen Dezibel-Tabelle eigentlich den Schalldruck bzw. den Schallpegel? Eine dB-Skala gibt zwar nicht das individuelle Empfinden von Lautstärke wieder, ist aber trotzdem darum bemüht, einen allgemeinen Wert für die wahrgenommene Schallgröße zu vermitteln. Unsere Sound-Wahrnehmung funktioniert nämlich wie ein Schallsensor: Das Gehör arbeitet als Schalldruckempfänger. Aber es geht dabei nicht um die Intensität, sondern um die Druckschwankungen. Unser Trommelfell muss in Wallung geraten, damit wir bewusst Lautstärke wahrnehmen. Das Phänomen kennt man aus dem Alltag: Ein exakt gleichbleibendes Geräusch lässt sich viel leichter ausblenden als z. B. unregelmäßige Klopfgeräusche des Nachbarn.

Doch auch, was wir nicht als Lärm empfinden, nehmen wir wahr. Ein Dauerschallpegel von 60 Dezibel kann gesundheitliche Folgen haben, selbst wenn wir die Lautstärke gar nicht bewusst bemerken. Gesundheitliche Folgen machen sich etwa in Stress-Symptomen und Schlafstörungen bemerkbar. Alles an Dauerlärm ab 80 dB kann sogar zu Hörschäden führen – und im extremsten Fall zum Herzinfarkt. Bei Lärmeinwirkungen von über 150 dB reichen schon wenige Sekunden aus, um irreparable Schäden hervorzurufen. Es folgt eine kleine Dezibel-Liste, die Alltagsgeräusche und ihren Schalldruck darstellt:

  • 10 Dezibel: Atmen
  • 20 Dezibel: Ticken einer Armbanduhr
  • 30 Dezibel: Flüstern
  • 40 Dezibel: Wohngeräusche
  • 50 Dezibel: Regen
  • 60 Dezibel: Gruppengespräche
  • 70 Dezibel: Schreien
  • 80 Dezibel: Presslufthammer
  • 90 Dezibel: LKW
  • 100 Dezibel: Disco
  • 110 Dezibel: Autohupe
  • 120 Dezibel: Gewitterdonner
  • 130 Dezibel: Düsenjäger

Was ist jetzt laut?

Kurt Tucholsky schreibt „Lärm ist das Geräusch der Anderen“, womit wir wieder am Anfang unseres Artikels wären. Die 100 Dezibel in der Disco werden von der tanzenden Meute sicherlich nicht als Lärm empfunden, die 90 dB eines LKW, der am Morgen danach am Fenster vorbeidonnert, sehr wohl. Dadurch, dass Dezibel-Tabellen sich auf den Schallpegel beziehen, können sie zwar ein gemeinsames Lärmverständnis visualisieren, aber nicht das individuelle Empfinden berücksichtigen. Wann ein Geräusch für den Einzelnen Lärm ist, kann eine Dezibel-Tabelle nicht darstellen.


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Teufel Redaktion

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