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Projekt MYNDberry: So baust du den MYND zum WLAN-Streamer aus

Zuletzt aktualisiert:

10.04.2026

Heute dürfen wir euch einen besonderen Beitrag präsentieren: ein Gastartikel von Jonathan, der bei Teufel arbeitet – und Teil eines kleinen Teams ist, das den MYND in seiner Freizeit weiterentwickelt. In vielen Feierabend‑Stunden hat das Team gemeinsam daran gearbeitet, den MYND um die Funktion des Streaming über WLAN zu erweitern. Unser Gastbeitrag zeigt, wie viel Potenzial in einem Open-Source-Speaker steckt. Viel Spaß beim Lesen!

Open Source – und was dann?

Sourcecode, auch Quellcode oder kurz Source genannt, ist wie das Backrezept mit der Software für Computer oder kleinere elektronische Geräte erschaffen wird. In dem Normalfall bleibt dieses Rezept beim Hersteller, man kriegt am Ende nur die fertige Software bzw. das fertige Produkt. Das heißt du bist für Bugfixes, neue Features oder einfach nur Kompatibilitäts-Updates immer auf den Hersteller angewiesen. Solange der sich kümmert, ist alles fein, aber wenn der Support endet oder das Produkt nicht mehr mit neuer Hardware funktioniert, stehst du plötzlich im Regen.

Bei Open‑Source‑Software sieht das komplett anders aus. Hier bekommst du nicht nur die fertige Software, sondern auch alles, um sie selbst nachzubauen, Änderungen vorzunehmen oder neue Feature‑Ideen umzusetzen. Und selbst ohne Coding‑Skills gibt es eine Community, die Ideen, Bugfixes oder neue Funktionen für dein Gerät umsetzt.

Und beim MYND?

Bei MYND sind wir sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Du bekommst nicht nur das Backrezept für die Software, sondern auch die Schaltpläne und 3D Baudaten, mit denen du fast den gesamten Lautsprecher selbst nachbauen oder verändern kannst.

Farbpalette MYND
Der MYND Speaker in seiner Werksvariante

Nach dem Launch des Speakers haben wir uns gefragt, wie man am besten zeigen kann, was man mit MYND noch so alles machen kann. Unsere Augen sind dabei ziemlich schnell auf ein in der Maker-Szene sehr bekanntes Produkt gefallen.

Projekt MYNDberry: Die Idee

Wie die meisten portablen Lautsprecher empfängt der MYND ab Werk seine Audiosignale über Bluetooth, AUX oder einen per USB-SoundCard verbundenen Computer. Funktioniert gut, aber du brauchst immer aktive Zuspieler, welche den Sound liefern. Was wäre aber, wenn der Computer, der die Musik empfängt und abspielt, direkt im MYND sitzt?

Genau das hat unser kleines Team ausprobiert. Und zwar mit Minicomputern der britischen Raspberry Pi Foundation. Diese stellt Mini‑Computer auf Scheckkartengröße her, welche für unser Projekt perfekt geeignet sind. Wir haben uns für den Raspberry Pi Zero 2 W entschieden: winzig sowie mit WLAN- und Bluetooth-Modulen ausgestattet. Zusammen mit dem Open‑Source‑Betriebssystem Moode OS wird daraus MYNDberry, eine vollständige und flexible Musikzentrale.

Lesetipp: Das ist Moode OS

An dieser Stelle möchte ich auch noch ein großes Dankeschön an Anton und Jomosa24 aussprechen, ohne deren Programmierkenntnisse dieses Projekt nie so gut geworden wäre!

Warum MYND & Raspberry Pi so gut zusammenpassen

Erstmal haben diese beiden Produkte nichts miteinander zu tun. Da aber von beiden Projekten die Schaltpläne und 3D-Daten veröffentlicht sind, war es nicht schwer die beiden zu verbinden. Und, unter uns gesagt, wir hatten die Idee mit dem „RasPi“ schon während der Entwicklung, weshalb wir extra dafür eine 5-Volt-Stromversorgung „verlegt“ hatten, die für die Standardversion des MYND gar nicht nötig ist.

Modular ab Werk – MYND

Die ersten funktionierenden Resultate hatten wir schon handgelötet mit Drahtbrücken, aber die machen sich in einem Outdoor-Speaker einfach nicht gut. Also haben wir extra eine Adapter-Platine entwickelt. Diese ersetzt einfach die kleine Bluetooth-Platine, welche ab Werk im MYND ist. Dann mussten wir nur noch die Original-Firmware etwas abändern, damit sie gut mit dem „RasPi“ spielt und hatten einen fertigen Streaming-Speaker!

Dank Raspberry Pi wird der MYND zum vollwertigen Streamer

Ist alles installiert, erfolgt die Steuerung komfortabel per Browser oder Smartphone. Internetradio ist direkt nutzbar, ganz ohne externes Gerät. Zusätzlich stehen verschiedene Streaming‑Optionen zur Verfügung. Auch eigene Musik lässt sich direkt auf den MYND laden.

Kann ich das auch selbst umsetzen?

Kurze Antwort: Ja, gerne! Grundkenntnisse in der Elektronik sind sicher hilfreich, aber kein Muss. Wir haben alle Informationen und eine komplette Einkaufsliste zusammengestellt.

Aber wichtig: Unser Team hat dieses Projekt privat, in ihrer Freizeit umgesetzt. Es ist kein offizielles Teufel‑Projekt*, auch wenn Teufel‑Entwickler beteiligt waren. Alles entsteht aus Spaß am Tüfteln. Daher gilt:

  • Die Modifikation erfolgt auf eigenes Risiko*
  • AUX und USB funktionieren nach der MYNDberry Modifikation nicht.
  • Alle Modifikationen dabei jedoch sind reversibel.

Die Einkaufsliste: Was du dafür brauchst

Um unsere Idee zu Hause nachzubauen, benötigst du nur wenige Dinge.

Benötigte Hardware und Werkzeuge

MYNDMYND award

MYND

219,99 €In verschiedenen Farben
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Der Umbau zum MYNDberry

Vorbereitung Teil 1: MYNDberry Adapterplatine bestellen

Die MYNDberry Platine (PCB) gibt es nicht überall zu kaufen, sondern sie wird auf Anfrage direkt für dich gefertigt. Die Anleitung wie du die fertige Platine bekommst, schaut zwar etwas lang aus, ist aber im Grunde ganz einfach:

> Link zur Bestellseite für die MYNDberry Platine

Original MYND Platine (links) und MYNDberry Platine mit aufgestecktem Raspberry Pi

Vorbereitung Teil 2: MYNDberry Firmware, Moode OS

Während du auf die Zusendung der Platine wartest, kannst du folgendes schon vorbereiten: Damit später alles funktioniert, muss die MYNDberry Firmware auf dem MYND installiert werden.

> Zum Download-Link und zur Anleitung für das Update

Danach wird das Moode OS Betriebssystem für den „RasPi“ auf einer SD-Karte vorbereitet, und ausprobiert, ob schon alles funktioniert. Du kannst ihn währenddessen einfach über ein Micro-USB-Kabel mit Strom versorgen.

Link zur Moode OS Anleitung

Wichtiger Hinweis: Bei diesem Schritt vergibst du Gerätenamen, Benutzername und Passwort. Mit diesen Angaben hast du später Zugang zur Steuerung deines MYNDberry über ein Webinterface auf deinem Computer oder Smartphone.

Vorbereitung Teil 3: Raspberry Pi & MYNDberry Firmware

Jetzt musst du nur noch die MYNDberry Software auf dem „RasPi“ installieren. Wie das geht, haben wir nachfolgend beschrieben:

Link zur Anleitung MYNDberry Firmware auf Raspberry Pi

Hardware-Ausbau zum MYNDberry

Jetzt geht es ans Eingemachte! Ausgestattet mit der Hardware und dem Werkzeug, kannst du deinen MYND öffnen und die Platinen austauschen. Dafür habe ich extra ein Video-Tutorial gedreht:

Das Finale: Neustart und Funktionstest

Mit aller Hard- und Software installiert, kannst du nun endlich deinen MYND wie gewohnt über den Powerbutton starten, das wir nun etwas länger dauern als gewohnt, es muss schließlich ein ganzer Computer mit booten. Danach darfst du dir gratulieren, du hast gerade deinen ganz eigenen Streaming-Lautsprecher gebaut, mit dem du komplett unabhängig von Handys und PCs Musik hören kannst!

Finaler Funktionstest: Läuft!

Mach mit. Bau weiter. Gestalte MYND.

Wie es jetzt weiter geht, liegt bei dir. Bau das Projekt nach, teile deine Ergebnisse, und bring dich ein. Auf GitHub kannst du Vorschläge machen, Fehler beheben, sogar direkt Verbesserungen einreichen. Und wenn du ganz andere MYND‑Modding‑Ideen hast – umso besser! Erzähl uns und anderen davon, davon lebt und wächst die Open Source Community.

Hier erreichst du uns > https://mynd.discourse.group/

About: Gastautor Jonathan, Electronics Engineer

Jonathan ist als Electronics Engineer im Team Electro Acoustic Systems verantwortlich für die Entwicklung, Optimierung und Integration elektronischer Komponenten innerhalb unserer Audio‑Systeme. Sein Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen Hardware, Akustik und Systemarchitektur.

Jonathan & sein MYNDberry

*Haftungsausschluss: Diese Anleitung ist ein Community-Projekt und kein offizielles Feature. Es richtet sich an erfahrene Bastler*innen, die gewisse Grundkenntnisse in Elektronik aufweisen. Die von uns beschriebenen Schritte zur Installation des Raspberry Pi in den MYND sind vollständig reversibel und erfordern keine Lötarbeiten. Auch wenn wir bei unseren Tests keine Probleme festgestellt haben, können wir keine Garantie oder Haftung für Schäden übernehmen, die durch die Umsetzung entstehen – weder am MYND-Lautsprecher selbst noch an externen Komponenten wie dem Raspberry Pi. Bitte prüfe alle Verbindungen sorgfältig. Falsch gesteckte Kabel können zu Defekten führen. Die Durchführung erfolgt auf deine eigene Verantwortung. Wir können zudem nicht garantieren, dass die Modifikation in jedem Fall bei dir funktionieren wird.

Titelbild/Bilder: Jonathan, private Aufnahmen