Hören – Lebensqualität in der Pandemie

“Könnt Ihr mich hören?“, “Du bist noch stummgeschaltet”, “Jetzt OK?”, “Ja, mach jetzt mal die Kamera an”, usw. usw…. Wahrscheinlich kennt jeder diese Sätze oder hat sie vielleicht bei einer Videokonferenz selbst gesagt, denn Videokonferenzen sind in Zeiten von Corona zum “new normal” geworden. Unser Gastautor Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Hörsysteme-Industrie (BVHI), widmet diesen Beitrag daher der Bedeutung guten Hörens.

Gastautor Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Hörsysteme-Industrie (BVHI),

Kannst du mich hören?

Die Corona-Pandemie hat einen gewichtigen Einfluss auf zwischenmenschliche Kommunikation und gutes Hören: Lockdowns, Homeoffice und soziale Distanz im Alltag bedeuten weniger physische Kontakte. Die wichtige nonverbale Kommunikation bleibt meist unterhalb des Bildschirmausschnitts oder hinter einer Maske verborgen; der Hörsinn muss, in Telefongesprächen und Videokonferenzen, alles alleine schultern. Umso wichtiger ist es, unseren Hörsinn (nicht nur in dieser Zeit) zu pflegen. Darauf macht der Welttag des Hörens am 3. März aufmerksam.

Auch Sascha Mallah, CEO Teufel, ist gesundes Hören ein großes Anliegen:

Unsere Kommunikation hat sich verändert, und mittlerweile kommunizieren die meisten Bundesbürger tagtäglich – ob beruflich oder privat – über Telefonie- und Videoformate. Ohne die, vor allem für die Vermittlung von Emotionen, so wichtige gestische, mimische und insgesamt nonverbale Kommunikation hängt ein erfolgreiches Gespräch allein vom intakten Hörsinn ab. Die Höranstrengung nimmt zu: Nachfragen müssen gestellt, Sachverhalte neu erklärt werden. Auf eine gute Verbindung kommt es ebenso an, wie auf gute Kopfhörer, Mikrofone und Lautsprecher: Schlechter Ton in einer Videokonferenz nervt schließlich mehr als ruckelnde Bilder. Wer schlecht hört, ist bei digitalen Konferenzen besonders gestresst, versteht nicht alles richtig oder schaltet (mental und kognitiv) ganz ab. Audiologische High-End-Technologie kann dem entgegenwirken.

Quelle: Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI)

Nach aktuellen Umfragen bieten knapp über 60 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause an (Statista 2021). So sehr das angesichts der aktuellen Situation zu begrüßen ist, bedeutet es nicht, dass in deutschen Heimbüros eitel Sonnenschein herrscht und die Kommunikation verbessert würde.

Zwar werden Kosten fürs Pendeln gespart und das Ansteckungsrisiko gesenkt, aber ganz ohne Probleme ist die Arbeit von zuhause nicht, wie eine aktuelle, repräsentative Civey-Umfrage zeigt: Viele Menschen stellt die berufliche Kommunikation von zu Hause sogar vor eine große Herausforderung. Und wir sprechen hier nicht nur von Menschen, die bereits mit einer Hörminderung leben, sondern von einem repräsentativen Querschnitt aller derzeit im Homeoffice arbeitenden Menschen in Deutschland: Fast 50 Prozent von ihnen geben an, dass sich die Kommunikation mit ihren Arbeitskollegen durch das Arbeiten im Homeoffice verschlechtert habe. Noch mehr, nämlich knapp 57 Prozent, klagen über einer höhere Lärmbelastung im Vergleich zum “normalen” Büroalltag.

Quelle: Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI)

Mehr als jedem vierten fällt es im Homeoffice schwerer, Gesprächen und Video-Telefonaten zu folgen. Derart gefordert, greifen auch normalhörende Menschen häufiger auf technische Lösungen zur Optimierung ihrer Kommunikation zurück, wie etwa auf die aktive Unterdrückung von Störgeräuschen.

Eine musikalische Auszeit

In Zeiten der Pandemie nimmt die Bedeutung guten Hörens nicht nur im Hinblick auf die stressfreie Gestaltung des beruflichen Alltags zu; auch für die – verbleibenden – Möglichkeiten der Freizeitgestaltung ist gutes Hören unerlässlich. Mangels Theater-, Opern- oder Kinobesuchen pflegen viele Menschen ihre Leidenschaft für Musik, Hörbücher und Hörspiele mittels Downloads oder Streams.

Streamen statt ausgehen

Neben den technischen Voraussetzungen guter Klangwiedergabe hängt der Hörgenuss auch von einem intakten oder gut versorgten Hörsinn ab. Denn auch ein nachlassendes Gehör muss nicht bedeuten, akustisch abgehängt zu werden. Nur sollte man nicht zu lange zögern, bis sich das Gehirn auf eine Hörminderung eingestellt hat und versucht, diese zu kompensieren. Dadurch kann das richtige Hören, schleichend und lange unbemerkt, regelrecht verlernt werden. Je schneller man daher bei einer Hörminderung handelt, diese von einem HNO-Arzt diagnostizieren und von einem Hörakustiker versorgen lässt, desto besser. 60 Prozent der Hörgeräteträger bedauern, mit der Hörgeräteversorgung zu lange gezögert und unnötig auf Lebensqualität, soziale Kontakte und Aktivitäten verzichtet zu haben.

Das Gehör – Fundament jeder Kommunikation

Die Beispiele zeigen, warum manchen den Hörsinn als den „sozialsten“ Sinn des Menschen bezeichnen. Ein wahlweise Immanuel Kant oder Helen Keller zugeschriebenes Zitat lautet:

“Nicht Sehen trennt von den Dingen – nicht Hören trennt von den Menschen.”

Man muss diese Aussage nicht mögen oder unterschreiben – persönlich finde ich sie sehr defizitorientiert und wenig ermutigend. Kehrt man sie aber um, lässt sich der Schluss ziehen, dass der Hörsinn zweifellos Menschen miteinander verbindet – ob im Gespräch oder beim Musizieren.

Ein intakter Hörsinn ist unbestreitbar ein wichtiges Element für die aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Bleibt eine Schwerhörigkeit unerkannt und unversorgt, hat das negative Auswirkungen auf alle Lebensbereiche: Gespräche werden anstrengend und zwischenmenschliche Kontakte zusehends vermieden, mit der Folge, sich sozial zu isolieren. Das Gehirn muss auf wichtige auditive Signale verzichten, und die Kompensationsanstrengungen führen zu einem Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sogar das Demenzrisiko wird so nachweisbar erhöht.

Moderne Hörsysteme – digitale Multitalente

Aber soweit muss es nicht kommen – moderne Hörsysteme sind technisch so ausgereift, dass sie als smarte Alltagsassistenten eingesetzt werden können. Längst lassen sie sich via Bluetooth-Technologie mit dem Smartphone, PC oder Tablet verbinden und per App bedienen. Hörgeräte werden zum multifunktionalen Hörsystem, das auch die Teilnahme an virtuellen Meetings und Konferenzen unbeschwert und ohne Höranstrengung ermöglicht. Zusätzlich lassen sich durch die digitale Vernetzung von Hörgeräten weitere Funktionen erschließen, wie etwa Übersetzungen direkt ins Ohr oder die Messung von Vitaldaten zur Kontrolle des Gesundheitszustands. Optisch ist ebenfalls Vielfalt angesagt: Auf Wunsch sind Hörgeräte sowohl klein und unauffällig als auch schick und elegant oder im Stil eines Hearables erhältlich.

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About: Welttag des Hörens

Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreichen Partnern veranstaltet der Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) jedes Jahr am 03. März den Welttag des Hörens – im Jahr 2021 bereits zum elften Mal. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fungiert auch in diesem Jahr als Schirmherr des Aktionstages. Bei der Kampagne „Hörgesundheit für Alle!“ geht es um viel mehr als gutes Hören, denn das Gehör spielt eine bisweilen unterschätzte Rolle: Hören bedeutet Lebensqualität.

Wer sein Gehör regelmäßig testen und eine Schwerhörigkeit frühzeitig und professionell versorgen lässt, beugt nicht nur dem Verlust sozialer Kontakte vor, lebt sicherer, hört wieder verloren geglaubte Geräusche und verhindert den kognitiven Leistungsabbau im Alter. Denn eine unversorgte Schwerhörigkeit ist der größte potenziell beeinflussbare Risikofaktor für eine Demenzerkrankung. Da eine Schwerhörigkeit ab dem mittleren Lebensalter oft schleichend und lange unbemerkt einsetzt, appelliert der BVHI gemeinsam mit HNO-Ärzten in Deutschland, Hörtests spätestens ab dem 50. Lebens zu einer regulären Vorsorgeuntersuchung zu machen – für ein selbstbestimmtes und sorgenfreies Älterwerden.

Weitere Informationen gibt es hier

Intensives Hören, aber gesund

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Autor

Teufel Blog Redaktion

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