Nachhall

Nachhall – Raumakustik Teil 2

Im zweiten Teil unserer kleinen Reihe schauen wir uns mal das wichtigste raumakustische Phänomen etwas genauer an, den Nachhall.

Am eindrücklichsten ist der Effekt des Nachhalls wohl in Kirchen zu erleben. Jeder Schritt, jedes Husten und jeder Orgelton scheint ein langes, deutlich wahrnehmbares Geräusch auszulösen, das sich im gesamten Raum ausbreitet und über mehrere Sekunden anhält. Einer Kirchenorgel gibt der Nachhall einen bombastischen, majestätischen Klang, den Pfarrer jedoch kann man dadurch oft schlecht verstehen. Was aber ist eigentlich Nachhall, kurz Hall, und wie entsteht er?

Wie ein Spiegel das auftreffende Licht zurück in den Raum wirft, so „spiegelt“ eine Oberfläche den darauf treffenden Schall zurück. Ist der Abstand zwischen uns und der reflektierenden Wand sehr groß, erreicht uns der reflektierte Schall durch den entsprechend langen Weg sehr spät und wir hören eine vom ursprünglichen Geräusch deutlich getrennte Reflektion, die wir auch als Echo bezeichnen. Bei einer Entfernung von 170 Metern würde es z.B. eine Sekunde dauern bis uns die Reflektion erreicht (Schallgeschwindigkeit ca. 340 m/s).

Gewöhnliche Räume sind deutlich kleiner, demnach erreichen uns die ersten Reflektionen so früh (ca. 10 – 50 tausendstel Sekunden), dass unser Gehör sie nicht vom eigentlichen Geräusch trennen kann. Außerdem ist der Nachhall durch das geringe Volumen des Raumes von viel kürzerer Dauer. Das führt dazu, dass wir den Nachhall nicht mehr bewusst als solchen wahrnehmen, sondern als eine Art akustische Rauminformation. Diese sogenannten frühen Reflexionen geben uns unbewusst eine Vorstellung von Größe und Beschaffenheit eines Raumes.

Setzt uns beispielsweise jemand mit verbundenen Augen in einen Raum, so könnten wir anhand der Raumakustik sehr gut abschätzen, ob wir uns in einer kleinen Kammer, einem Parkhaus, einem Wohnzimmer oder im Freien befinden. Fledermäuse (und Daredevil ;)) haben bekanntlich diese Art der Wahrnehmung perfektioniert und können sogar konkrete Entfernungen aus den vorangegangenen Reflexionen ableiten.

Jetzt sind wir dem Phänomen des Nachhalls schon sehr nahe gekommen, es fehlt nur noch ein Schritt. Natürlich wird der Schall nicht nur einmal reflektiert, sondern von allen Oberflächen immer wieder hin und zurück geworfen, wobei er an Energie verliert und schließlich verstummt. Vergleichbar ist das mit einer Gitarrensaite, die durch das Anschlagen in Schwingungen versetzt wird und verklingt.

Beim Nachhall handelt es sich also um ein akustisches Phänomen, das durch Reflektionen von Schallwellen an Oberflächen entsteht, sich zum eigentlichen Geräusch hinzumischt und dem Hörer dabei Informationen über den Raum preisgibt.

Ich hoffe, dieser Beitrag gibt eine grundlegende Vorstellung von der Entstehung des Nachhalls. Mit welchen Mitteln man den Nachhall eines Raumes beeinflussen kann, um das Hörerlebnis mit seinen Teufelboxen zu optimieren, erfahrt ihr im nächsten Teil.

Nachhall – Raumakustik Teil 2
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